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Autor: Rainer Albert Huppenbauer | 22.11.2019 um 16:09 Uhr | 0 Kommentare

16 Jahre oenologisches Manifest - Ein Erinnerungsversuch

Am 7. Oktober 2003 veröffentlichte die Frankfurter Allgemeine Zeitung eine Kolumne von Reinhard Löwenstein unter dem Titel: „Von Öchsle zum Terroir – Ein oenologisches Manifest“.
Das schlug damals ein wie ein Bombe. Reinhard Löwenstein polemisierte in dem Artikel über die Idee der Öchslegrade und wie diese Herangehensweise das Image deutscher Weine zusehends verschlechterte, ja es heute noch tut. Er schrieb das, weil er wusste, dass deutscher Wein international fast komplett an Bedeutung verloren hatte. Und wie damals ist„Weindeutschland“  nach wie vor in einer Krise, deren Ende nicht absehbar ist. Ich meine damit nicht, dass es keine anständigen Weine gibt, das Gegenteil ist der Fall. Aber international ist deutscher Wein out wie nie zuvor. RL suchte und fand den Weg, der es ermöglichen würde, diese Krise zu beenden. Es entstand die Gegenbewegung zu Grad Öchsle, kurz Terroir genannt.  Aber, so meine Einschätzung, so richtig Fuß gefasst hat sie bis heute nicht. Die Gründe dafür sind vielschichtig. Da sind zum einen die großen Winzervereinigungen, Großwinzer und Weinbauverbände, denen jede Veränderung wie Krätzerei vorkommt. Da sind das veraltete deutsche Weingesetz, Großlagenbezeichnungen und auch eine inflationäre Entwicklung der Großen Lagen im VdP. Letztere führt eben dazu, dass nun auch für viel Geld Weine zu haben sind, die eben bestenfalls als Mittelmaß qualifiziert werden können. Das Regionalprinzip des VdP, ist zwar schön und gut, aber wie man an der ständig wachsenden Zahl der Großen Lagen sieht, noch nicht zu Ende gedacht. Damit wir uns richtig verstehen, ich habe nichts gegen hohe Preise bei Weinen die die entsprechende Qualität haben, also handgemachte Terroirwein mit dem Charakter der Lage aus der sie stammen, so wie ich es von einem Großen Gewächs erwarten kann. Ich habe aber etwas dagegen, dass eine große Idee, und das ist die Klassifizierung Großer Lagen, zur Beliebigkeit verkommt und als Blaupause zum Geld drucken verwendet wird. Leider sind wir bei den Großen Lagen an einem Punkt angekommen, der die ganze Absurdität des deutschen Weinbaus der letzten 100 Jahre widerspiegelt.
Traubenadler und GG werden vom Konsumenten oft nicht hinterfragt und geprüft.
Dass es anders geht beweisen täglich dutzende Winzer Land auf Land ab. Es sind die, die die Lage schmeckbar und die Weine nicht austauschbar machen. Das Problem ist nur, dass sie eben in der krassen Minderheit sind. Da habe ich noch gar nicht an Abfüller gedacht.
Ich will es an einem Beispiel an Saale-Unstrut zeigen. Einer der markantesten Weinberge der Region ist der Naumburger Steinmeister. Den eigentlichen Steinmeister bewirtschaften im Wesentlichen, wenn man es großzügig betrachtet, drei Winzer. Hey, Gussek und Prof. Wartenberg und Sauer. Ein bestimmter Geschmack ist diesem ca. 6 Hektar großem Areal eigen. Eine leichte kräuterige, salzige Mineralität mit zurückhaltender, sich bereits nach kurzer Flaschenreife, gut entwickelnden eleganten Frucht, beschreibt es wohl am Besten.
Auf Grund des unsäglichen Lagenwirrwarrs tragen nun aber auch andere Flächen (etwa 40 Hektar) diese Lagenbezeichnung. Von der oben erwähnten Charakteristik haben diese Flächen nichts. Da nun aber vor allem ein Großwinzer von der Lagenbezeichnung gebrauch macht ja davon lebt, entstehen zwangsläufig für den Konsumenten Fragen über Preise.
Ein Lagenriesling von Hey aus dem Steinmeister ist je nach Jahrgang zwischen  20,00 und 25,00 Euro zu haben, ein Riesling mit der gleichen Bezeichnung vom Weingut Herzer für 8,90 Euro. Hat man Glück, schmeckt der Herzerwein noch nach Riesling, nach Steinmeister kann er nicht schmecken, weil er dort nicht wächst.
Es kommt sogar noch schlimmer. Ein weiterer Winzer nutzt für die gleiche Fläche die Herzer als Steinmeister bezeichnet die Bezeichnung der Großlage Göttersitz. In der sich wiederum der Steinmeister und seine Satelliten befinden. Er könnte daher auch Steinmeister darauf schreiben. Man muss nicht weiter ausführen, um das Dilemma zu erkennen. Das reicht wohl. Obwohl es jeder weiß, geht der staatlich erlaubte Etikettenschwindel immer weiter. Kein Aufbegehren und auch nach dem Ausscheiden des ehemaligen Weinbaupräsidenten, nichts, kein zucken in dieser Richtung.
Zurück zu Reinhard Löwenstein und der von ihm losgetretenen Bewegung auch gegen diesen Unsinn an Saale-Unstrut. Manchmal ist es eben so, dass großartige Ideen falsch, mutwillig schlecht gemacht, dumm oder gar nicht interpretiert werden. Nehmen sie nur mal Jesus oder Marx.
Und so kann es sein, dass zwar alle die im Weinbau etwas auf sich halten kistenweise Gestein, auf denen ihre Weine wachsen, in Verkostungen tragen, aber nur die wenigsten verstehen, worum es eigentlich geht. Sie tun es, weil es einer vormachte der Erfolg damit hatte, aber etwas ganz anderes meinte.
Die Quintessenz ist doch im Grunde die, hält man an der Öchsle und Großlagenpolitik fest, wird genau das, was wir lieben und Weinkultur nennen, sich gegen industriell hergestellte, gefällige Weine nicht durchsetzen können. Ein Stück Lebensqualität, die die Weinkultur nun mal ist, wird den Weinhang hinunter gehen. Armes Deutschland.
  
Am 21.11.2019 traf ich einen langjährigen und bekannten regionalen Weinverkäufer, der für das größte private Weingut an Saale-Unstrut in der Spur ist. Ich hatte nach einem kurzen Gespräch den Eindruck, er weiß nicht was er tut.



 Tags: Terroir, Heymann Löwenstein, Naumburger Steinmeister
Autor: Rainer Albert Huppenbauer | 24.10.2019 um 12:28 Uhr | 0 Kommentare

Good bye poor Boy… ein Nachwort

Im Grunde muss man schon den Hut ziehen, wenn jemand 27 Jahre ein Ehrenamt ausübt.  Aber eben nur im Grunde. Nicht in jedem Fall ist damit nur „Dankeschön“ gemeint. So ist es auch beim scheidenden Weinbaupräsidenten. Manchmal ist es eben auch so, dass der Beifall ertönt, wenn man froh ist, dass einer „fertig hat“. Nicht immer sind Beifall und lobende Worte auch tatsächlich mit Anerkennung einer Leistung verbunden. Wie das im Fall Boy liegt, kann man nur erahnen: ( na das wurde aber auch Zeit, den Absprung verpasst oder gar, der muss weg), sind nur einige Äußerungen, die ich nach der viel beachteten Rede von S.Boy im Kreise der Weinbruderschaft auch von Personen hörte, die ihm nahestehen. Aber, bemerkenswert ist seine Zeit als Weinbaupräsident auf jeden Fall. Und so kann ich folgenden Satz, mit dem Siegfried Boy im Verweis auf seine Nachfolge (A.Zieger) in seiner Abschiedsrede zitiert wird, voll und ganz verstehen: …“ der (Zieger)  den Verband auch weiterhin mit Herzblut und Aktionismus führen“ wird.
Für mich widerspiegelt  die Wortwahl genau das, was eben die Verbandsarbeit in den letzten Jahren ausmachte, Boy´s Aktionismus. Über Aktionismus wird reichlich debattiert. In verschiedensten Quellen, wie hier von Wikipedia findet man folgende Erklärung des Wortes: „Der Begriff Aktionismus unterstellt betriebsames, unreflektiertes oder zielloses Handeln ohne Konzept, um den Anschein von Untätigkeit oder Unterforderung zu vermeiden oder zu vertuschen. Aktionismus kann auch bedeuten, dass viele Projekte diskutiert oder begonnen, aber nicht zu Ende geführt werden. Der Begriff steht auch für unorganisierte politische oder soziale Aktionen, die zwar eine Veränderung bestehender gesellschaftlicher Verhältnisse bezwecken, deren Ziele aber weder genau definiert noch zu Ende gedacht und deren Konsequenzen meist nicht bedacht sind.“
"Quelle Wikipedia"

Geht es also noch schlimmer, wenn ein scheidender Präsident, zweifelsfrei mit Verdiensten um den Weinbau an Saale-Unstrut, seinem Nachfolger den Aktionismus, der den Verband zur verunglückten „ein Mann Show“  werden ließ, als Führungsstil empfiehlt?
Dass auch Herzblut angesprochen wird, macht die Sache nicht besser. Ich denke sogar, in der Kombination mit Aktionismus, eher noch schlimmer. Und mit Verlaub, wenn der nun "gekrönte" Albrecht Zieger, der ja bekanntermaßen die Winzervereinigung Freyburg zum Abfüller ausbauen möchte (im eigenen finanziellen Interesse wohlgemerkt), da sei zumindest die Frage gestattet, ob er denn wirklich der Richtige ist? Im Sinne von Siegfried Boy`s Worten auf alle Fälle. Im Sinne der Entwicklung der Weinbauregion sind Zweifel angebracht.

 Tags: Siegfried Boy, Albrecht Zieger
Autor: Rainer Albert Huppenbauer | 26.09.2019 um 14:05 Uhr | 0 Kommentare

Lese 2019 und jede Menge neue Weine in der First Class von Saale-Unstrut

Ja da bin ich mal wieder, nach einer schöpferischen „Ruhephase“ , in der ich zwei Projekte begonnen habe, also Ruhe ist auch anders, aber was soll es.

Die Lese 2019 fördert zu Tage, was die Natur so alles bewegen kann. Rund um Naumburg und Freyburg wenig Niederschlag und entsprechend gering sind die Lesemengen. Von 30-50 Prozent weniger ist die Rede, am deutlichsten wohl in einer der trockensten europäischen Lagen rund um Höhnstedt. Die Steillagen in Naumburg und Freyburg mit ebenso wenig Ausbeute wie am Süßen See. Ganz anders in Thüringen, hier hört man relativ viel Zufriedenheit  über die Mengen. Der Grund ist leicht erklärt, es hat dort einfach mehr geregnet.
Über die Qualitäten kann man im Moment nur spekulieren. Ich gehe davon aus, dass der 2019er Jahrgang mal wieder so eine Quantitätdelle ist, bei dem der Winzer nich automatisch auf hohe Qualität verweisen kann. Nach den Topjahren 2015/16/17 und teilweise 2018 ist das aber auch normal. Hoffen wir auf einen Winter mit Schnee, dass die Erde vor allem im Großraum Burgenlandkreis Feuchtigkeit aufnehmen kann und sich ein normaler Level einstellt. Was die Quantitäten des 2019er Jahrgangs betrifft, hat das zwar keine Auswirkungen, aber so schlimm ist das auch nicht, denn die Keller sind in den meisten Fällen noch recht gut mit 2017/18 gefüllt und der muss ja auch getrunken werden, zumal einige Weine des 2017er Jahrgangs jetzt erst richtig erwacht sind.

Was sonst noch passierte? Nun önologisch ist es eine ganze Menge. Derzeit kommen bei den Winzern Weine in den Handel, die mich regelmäßig ins Verzücken versetzen. Einige davon möchte ich Ihnen gern an das Herz legen:
Neben den Breitengradweinen des BG 51 sind rund um diese einige Gewächse erst in den letzten Tagen gefüllt wurden.

Gussek
Das Gussek mit seiner 2017er Weißburgunder Riege vermutlich den Vogel abschießt verwundert mich nicht. Naumburger Sonneck aus dem Edelstahl und dem Barrique mit viel Klasse, die noch vom Weißburgunder Kaatschener Dachsberg übertroffen wird. Dieser Wein, der im Edelstahl gereift ist zeigt nochmals deutlich auf, das 2017 das Burgunderjahr war. Da die meisten Weine diese Jahrgangs bereits ausgetrunken sind, kann man nur empfehlen sich für schlanke 15,00 Euro  ein paar Pullen zu sichern. Der Riesling vom Dachsberg aus dem gleichen Jahr kam zu BG 51 Ehren und hat alle Zeit der Welt. Gleiches gilt für den BG 51 Zweigelt aus diesem Jahr.
Mit dem 2018er Jahrgang hat es noch ein wenig Zeit, außer man ist Grauburgunderfan. Der Grauburgunder vom Göttersitz (Drei Sterne) ist im Lagensegment der deutlichste Wein des 2018er Jahrgangs. Grandiose Aromenvielfalt gepaart mit feingliedriger Mineralität und reichlich Alkohol lassen einen Wein über die Zunge laufen, den es so hier noch nicht gab. Elegant und mit der Handschrift von Michel Rolland ( Wichtigster Vertreter der „Alkoholphilosophie“, wo es passt). Fast alles was dieser Mann von großen Weinen fordert, ist in diesem Burgunder vereint.

Hey  
Dass ein technischer Defekt auch gute Seiten haben kann, habe ich gestern Abend (25.9.19) erfahren. Zum einen haben sein Weisser Hey und der feine Gutedel damit wohl erstmals „übersommert“ und zum anderen, kamen einige zum Teil unerwartete Weine auf den Tisch, bei denen mir das Herz aufging. Das Matthias Hey den Riesling beherrscht ist bekannt. Völlig unaufgeregt legt er nun nach seinem gelungenem Ortswein den Lagenwein Steinmeister vor. Pittoresk kommt er daher, das war der Vorgänger ebenfalls. Hier allerdings, auch dem Jahrgang geschuldet?: ist bereits am Anfang das Holz sehr gut eingebunden. Das passierte bei den Vorgängern erst später. Ein sehr reif wirkender und runder Riesling der  mit feinen Aromen von Pfirsich, Grapefruit, etwas Blutorange und leichtem Karamell im Abgang doch sehr überzeugt.
Eine Neuheit im Weingut ist die Lage  Karsdorfer Hohe Gräte. Hier legt der Winzer eine Auslese vom Silvaner vor, die ich zwei Minuten nach dem Genuss eines Glases wie folgt beschrieben habe:
„Silvaner vom Feinsten. Süße Aromen bändigen das Säuremonster, die Säure verleiht dem Wein die Struktur die er braucht, um seine Charakteristik und die seiner Herkunft (Saale-Unstrut) nicht zu verlieren. Die Auslese zeigt das Talent des Winzers und die Möglichkeiten des Saale-Unstrut-Terroirs zu derlei komplexen Weinen. Der Wein übt schon jetzt eine große Anziehungskraft auf mich aus, die sich schlecht beschreiben lässt. Es ist für meinen Geschmack, das Beste was man im Jahrgang 2018 aus dieser Rebe machen konnte.“ Mit 25 Euro ist diese Auslese zu den günstigen Weinen zu rechnen. Man sollte den Wein wie ein Händel Oratorium genießen: Einmal im Jahr.

Böhme&Töchter
Da kommt etwas auf uns zu, nicht nur in Flaschen. Viel Können und familiärer Zusammenhalt lassen die Träume einer der sympathischsten Winzerfamilien die ich kenne, wahr werden. Danke Frank.
Die Weine der Jugend, die ja eigentlich auch schon keine mehr ist, reißen bemerkenswerte  Gräben, soll ich nun sagen auf oder ein? Ich weiß es nicht, denn die Zeiten ändern sich gerade. Noch nicht ganz am Ziel, aber auf den Weg dahin, werden Weine entstehen, die diese Region dringend braucht. Ein solcher Wein reifte ein Jahr in einem Tonneau aus französischer Eiche. Noch etwas unschlüssig schlägt der gerade Mal in diese und mal in die andere Richtung aus. Aber er wird, möglicher Weise ein Wein der Zukunft. Ich halte den Riesling für eine Lagerung der nächsten zehn Jahre für geeignet. Er beginnt sich bereits zu entfalten und sein Wunderwerk zu verrichten. Den Traminer, auch in diesem Jahr als BG 51 gekürt, muss man nicht mehr hervorheben. Es reicht schon ihn einfach zu nennen. Kein Winzer an Saale-Unstrut macht besseren trockenen Traminer. Legendär der 2015er BG51.
Und nicht zu letzt noch ein Satz zu den „Kleinen“. Fantastischer Kerner und zwei tolle Spätburgunder mit Lagenspezifik, wie ich sie so nicht oft erlebt habe. Ein Jahr, eine Rebsorte, zwei Lagen, zwei völlig unterschiedliche Weine.

Wolfram Proppe  
Im Jahr 2016 hat er den Test gemacht und einen Wein kreiert den es so hier nicht oft, oder sogar noch nie gab. Er nannte ihn „Striking Wine“. Zu Deutsch ein auffälliger Wein. Und das war er. Nun im Jahr 2019 ist er wieder da, diesmal ein 2018er. Es handelt sich um eine Cuvée aus Pinot Blanc und Chardonnay der als BG 51 geehrt wurde. Für mich, alle vorgenannten und noch folgenden Weine und deren Erzeugen mögen mir verzeihen, der Weißwein des Jahres 2018. Einer muss es sein. Natürlich subjektiv und eine Art Zangengeburt, weil die Auswahl noch nie so groß war.  Schon im eigenen Lager ein Wein der diesen Titel auch verdient hätte: Chardonnay Qualitätswein Golmsdorfer Gleisburg. Hier meine Urteil:
"Tja, was habe ich nicht schon alles über den 2018er Jahrgang geschrieben und nun dieser Chardonnay. Niemals hätte ich diesen Wein im "hohen Norden" verortet. Südfrakreich ja, Nappa Valley völlig klar, aber Thüringen? Ein Kraftpaket, nicht ganz trocken, aber es macht den Unterschied, ob einer weiß was tut und der Andere sich freut, Wein füllen zu dürfen. Proppe macht einen Chardonnay, der nicht trocken werden wollte und hat einen Wein gemacht, der wohl so so schnell nicht wiederkommt. Extrakt ohne Pause, Mineralität die diese gewisse Etwas hat, was man charismatisch nennt. Sie hebt den Zucker empor und holt ihn wieder runter. Das Holz deutlich spürbar und vor allem notwendig, schließt den Reigen mit karamellisierten Noten die ihre größte Klasse in 10 Jaher haben werden. Da bin ich 73 Jahre alt, schön das man sich noch auf was freuen kann."

Kloster Pforta
Schon viel gesagt und geschrieben. Kein Weingut der Region treibt mich mehr um als das Staatsweingut mit all seinen Schicksalsschlägen. Das in dem Geschäft dieser Größenordnung die Kellermeister  eine gewisse Bedeutung haben, bewies bereits Christoph Lindner. Der „Neue“ nun der Franke Olaf Stintzing,  hat seinen Einstand gegeben und zwar mit Volldampf. Herausragend  aus einer geschlossenen Kollektion, die vom Gutswein bis in die Lageweine eine der großen Überraschungen des 2018er Jahrgangs war. Das Sahnehäubchen oben drauf habe ich wie folgt beschrieben: „Eine Gebietsneuheit, der erste im Steinfass ausgebaute Burgunder von Saale-Unstrut ist für mich eine schöne Neuentdeckung. Kraftvolle Gelbfruchtaromen und starke mineralische Komponenten machen den Wein zu etwas Besonderem. Sehr elegant, eher an einen Mersault erinnernd, als an einen deutschen Weißburgunder. Salzige Fruchtnoten, Länge und beachtliche Nuancen von gelben Früchten, die lange an der Lippe kleben. Mithin einer, wenn nicht der beste Weißburgunder des Jahrgangs 2018 an Saale-Unstrut.  Und noch etwas,  einer der schönsten, wenn auch sanierungsbedürftigsten Weinberge der Region, hat eine neue, grandiose Spitze. Es ist ein Wein von internationalem Format.“
Mehr sollte man darüber nicht sagen.

Weingut Pawis    
Die neuen Großen Gewächse habe ich noch nicht probiert. Aber das ist auch nicht tragisch, denn es gibt etwas Neues beim Meister aus Zscheiplitz. Es ist die Wiedergeburt von einem seiner größten Wünsche. Dieser Wunsch betrifft sein Erbe. Wer ist in der Lage mit der Bürde des bekanntesten Winzers von Saale-Unstrut umzugehen? Mit einem Geniestreich in Form eines Rieslings ist diese Frage nun, so hoffe ich, ein für allemal beantwortet. Der Physiker ließ die Physik Physik sein, probierte etwas aus, legt den Zauberlehrling vor und studiert nun Weinbau in Mainz.
Sein Riesling heißt eben Zauberlehrling und wurde von mir so beschrieben:
"Wenn der Vater mit dem Sohn einen Bummel macht ....", na und so weiter, dann kann es passieren, dass der Sohn dem Vater zeigt wie es früher so war, oder umgekehrt? In diesem Fall macht der zukünftige Önologe mit dem Lesegut seines Vaters einen Wein, der so in Zscheiplitz noch nie in Flaschen kam. Der Name Zauberlehrling hat damit zwei wichtige Ansätze: Den "Lehrling" Christian Pawis und den Zauber, den Riesling und was der so alles kann. Spontane Vergärung und im Gegenteil zu Vaters (Bernard Pawis) "Blumigkeit" im Bukett, nüchternes zurückhaltendes Riesling "Petrol", das auf Großes hoffen lässt. Ein Wein für Rieslingpuristen, mit allem was man sich wünscht, wenn man diese Rebsorte mag. Weiter so junger Mann. Dem Vater gefällt es, möglich, dass er diesen Stil durchaus fortsetzt.    

Weingut Born
Man kann sagen von der Sonne gebeutelt. Wenig Masse aber das was da ist, gereicht der Weinbaufamilie zur Ehre. Zweimal BG 51 (Riesling und Zweigelt) und ein Wein der meine Sinne kitzelt und so manchem den Angstschweiß auf die Stirn. Es ist ein Sauvignon Blanc, den sich dieser oder jener gern so wünscht wie aus Chile? Süd Afrika? Nein jetzt hab ich es, Neuseeland. Aber genau das ist eben nicht hier und von daher stellt sich die Frage: Warum sollte ein Wein von Saale-Unstrut nach Neuseeland schmecken?  Also lassen wir mal die Kirche im Dorf Höhnstedt und freuen uns über den gelungensten Saale-Unstrut Sauvignon Blanc der Neuzeit an Saale Unstrut.

Was sonst noch passierte!
Das Beste zum Schluss, am 05.10.2019 können Sie von 15.00-21.00 Uhr in unserer Vinothek im Steinweg meine Favoriten probieren. Bitte anmelden, da auch gekocht wird.
Und nun noch das Allerbeste: Die Krönung der Weinkönigin an Saale-Unstrut wird 2020 von einem neuen Weinbaupräsidenten vorgenommen. Da hofft man, das der Zwerg neben dem nun bald ehemaligen Präsidenten noch ein bisschen die Kurve kriegt. Na geheiratet hat er schon mal. Wohl aber eher der Zweckmäßigkeit halber. Da möchte man nicht Frau sein.
Der musste jetzt aber auch sein.

Rainer Albert Huppenbauer
Autor: Rainer Albert Huppenbauer | 18.04.2019 um 13:35 Uhr | 0 Kommentare

Kloster Pforta, der neue Jahrgang 2018, alles passt!

Und mir nichts dir nichts, fängt alles von vorne an!

Manchmal ist es gar nicht schlecht, wenn der Wind dreht. Das Landesweingut Kloster Pforta, kann eine Lied davon singen. Da es aber nicht singen kann, es ist aus Stein mit viel Herzblut vieler Generationen, bekommt das eben noch ungeliebte Kind einer ganzen Region die zweite, dritte ... Luft.

Spürbar ist es im Glas bei jedem Schluck. Der neue Geschäftsführer brauchte einen neuen Kellermeister und hat ihn gefunden. Ich hoffe sehr, nach der Probe der neuen Weine des 2018er Jahrgangs, dass der Mann, ich weiß nicht mal wie er heißt, ein Weilchen aushält. Der Region wird das gut tun. Alles was ich bisher getrunken habe war spürbar durchdacht. Ein Gefühl kommt bei mir auf, dass da etwas wächst, was die Region dringend braucht. Qualität in der Breite des Gutsweinsegmentes, die fehlt eben. Natürlich gibt es hochwertige Gutsweine, aber eben nicht in der Masse und nicht im Einzelhandel. Die Dominanz der Winzervereinigung, mit teils "verkorksten" Weinen ist im Breitensegment einfach zu groß. Damit ist es, so wie ich es sehe, irgendwann vorbei. Es wird etwas dauern, aber der frische Wind wird zum Monsun werden und all das wegspülen, was die ewigen Zweifler behaupten. Wenn nun auch noch ein Neubau gelingt, dann ist das Glück perfekt. Drei Charaktere vom Geschäftsführer, über Kellermeister und Franziska Zobel für den Weinbau, werden, da bin ich mir sicher, die Region herausfordern.
Es gibt Leute, so wie die Breitengradwinzer (zumindest einige), die das freut. Andere sehen es eher skeptisch, ja sogar neidisch, wieder andere begreifen gar nicht, was da gerade losgeht. Ich jedenfalls drücke die Daumen und hoffe das auch der positive Altherrengeist eines Prof. Schumann (Ex Geschäftsführer und Projektleiter Neubau, stimmt doch noch, oder?) auch einen Schluck aus der Pulle bekommt.
Na dann, Saale-Unstrut wird erwachsen, einen sehr großen Anteil an der neuen Geschichte wird durch den Fortbestand und die Weinqualität von Kloster Pforta bestimmt.

 Tags: Kloster Pforta
Autor: Rainer Albert Huppenbauer | 02.04.2019 um 00:05 Uhr | 0 Kommentare

Jungweinprobe bei Martin Schwarz in Meißen

Jungweinprobe bei Martin Schwarz, ein wunderbarer Tag in Meißen.

Meißen an sich ist schon eine Reise wert. Die Stadt an der Elbe, eingebunden in Weinbergslagen, die der ohnehin pittoresken Landschaft die Krone aufsetzen, sind besonders.
Mitten in dieser Landschaft dann Grit Geißler, Martin Schwarz und viele weitere sehr engagierte Mitarbeiter, die durch eine Weinprobe führen, die, ich nehme es mal vorweg, Akzente setzt, die schwer zu toppen sind.
Zum Ersten, die Weine sind gemessen am Wein "Jetlag", uralt. 2017er Jahrgänge in voller Pracht. Es gab auch 2018er, aber eben daraus wo sie hingehören, aus dem Fass. Die Herzlichkeit der Begegnung, gepaart mit Kompetenz und Demut vor der Kundschaft, ist gemeinsam mit den Weinqualitäten, ganz schwer zu toppen. Ein unfertiges Kunstwerk,  namens Weingut Schwarz in der Dresdner Straße in Meißen empfing seine Gäste. Man kann über sehr viele Dinge geteilter Meinung sein, hat man einen solch schönen Tag erlebt, tolle Weine probieren dürfen, dann ist Ausrasten einfach erlaubt. Die Weine egal ob aus Sachsen oder aus Brandenburg auf höchstem Niveau. Klassisch trocken (unter 4 Gramm Restzucker pro Liter) mit stattlicher und vor allem grandioser Mineralität setzen Maßstäbe, die in Deutschland nur von den Toperzeugern so gehandhabt werden. Kein bisschen Angst vor der Meinungen Land auf, Land ab quakender Gastronomen „ Oh nicht so viel Säure bitte und zwei Gramm mehr Zucker, wäre schön.“ Nichts da, die Krönung und das bleibenste Erlebnis des Tages; Chardonnay 2017, null Gramm Restzucker und sieben Gramm Säure. Ein Wein für Menschen, die Wein lieben. Die Rieslinge aus 2016 und 2017 beginnen jetzt ihr Leben, langes Hefelager, Holzausbau, wo es passt, und Finesse ohne Ende. Dann die Roten, allen vorweg der Pinot Noir mit seiner Samtigkeit, Stärke und liebreizenden Reminiszenz an große Burgunder von der Côte de Nuits. Ich könnte noch weiter schwärmen und werde das demnächst auch tun, denn die Eindrücke sind sehr stark und nachwirkend. Der 01.04.2019 war damit einer der besseren Tage meiner Exkursionen zu Weinproben derlei Art