top
Autor: Rainer Albert Huppenbauer | 01.09.2018 um 14:54 Uhr | 0 Kommentare

Griechischer Wein aus Sachsen?

Als Udo Jürgens dereinst vom griechischen Wein sang, war der „Junginvestor“ Hans Albrecht Zieger noch gar nicht geboren. Schade eigentlich, denn das Lied enthält einige Aspekte, die auch auf jr. Zieger zutreffen könnten:

Sie sagten sich immer wieder
Irgendwann geht es zurück
Und das Ersparte genügt zu
Hause für ein kleines Glück
Und bald denkt keiner mehr daran
Wie es hier war.*

Na klar ist das weit hergeholt, aber wenn ein Vater in einem von der Sächsischen Zeitung veröffentlichten Interview seinen Sohn als Investor bezeichnet, der nun, so meine Auslegung, den von Skandalen gebeutelten sächsischen Weinbau retten soll, gibt es unter irgendeinem Hut beträchtliche Defizite.
Aber zum Thema des Interviews mit Zieger Senior.
Wenn man es liest und genauer betrachtet, hat man hinterher mehr Fragen als vor der Lektüre. Zieger vermeidet es zum Beispiel Namen und Funktionen zu nennen. Die Namen die genannt werden, der seines Sohnes und der von Jörg Erdmann werden in einem Kontext benutzt, der den Leser auf eine falsche Fährte lenkt.
Ein Beispiel: Natürlich hat Jörg Erdmann Weinbau und Önologie studiert und in den beiden Staatsweingütern von Sachsen und Sachsen Anhalt (Kloster Pforta, Wackerbarth) gearbeitet.
Der Hacken ist nur, seine Tätigkeiten in beiden Weingütern fanden niemals im Weinkeller statt. Sein Arbeitsplatz war doch eher das Büro.
Nun ist er Kellermeister eines Betriebes mit 35 Hektar Rebfläche. Mit Verlaub, das ist für einen Mann mit Null Kellererfahrung eine ziemliche Herausforderung. Ich gehöre nicht zu denen, die da scherzhaft bemerken: „Der hat nur deshalb nicht im Keller gearbeitet, weil er eine Kartoffel nicht von einer Weintraube unterscheiden kann.“ Dass er aus Sachsen stammt hat Zieger Senior nicht erwähnt. Jeder der jedoch den Artikel in der SZ liest glaubt, oh ein Mann mit großer Erfahrung. Und so kann man davon ausgehen, dass Zieger jr. da wohl eingreifen wird, denn der hat Erfahrung mit derlei Größenordnungen. Ob das nun wieder mit seiner Arbeit als Geschäftsführer der Freyburger Winzervereinigung vereinbar ist, muss der Aufsichtsrat selbiger beurteilen. Und da liegt der Hase bereits das zweite Mal im Pfeffer.
Der Aufsichtsratsvorsitzende ist der im Interview nicht namentlich erwähnte Rechtsanwalt aus Halle. Der heißt Silbersack und hält genau wie Zieger 33,333 % Anteile an der Meissner Weinbaugesellschaft. Er ist also genau wie der, den er eigentlich beaufsichtigen soll, im gleichen Boot. Da es in der Absatzsituation auch noch ein Interessenkonflikt ist, der die Winzervereinigung in Freyburg benachteiligen könnte, kann man sich den Aufsichtsrat der Freyburger Winzervereinigung eigentlich klemmen. Er ist wohl oder übel befangen. Denn pfeift er seinen Geschäftsführer zurück, schadet er sich privat. Eigentlich ist aus dieser Konstellation nur ein Rücktritt einer der beiden Seiten (Geschäftsführer oder Aufsichtsratsvorsitzender) die Lösung.
Tritt Zieger jr. zurück, würde der Text von Udo Jürgens wieder stimmen.
Der dritte im Bunde mit gleichen Anteil hat bereits gewechselt, im Artikel der SZ als Geschäftsmann aus Halle bezeichnet. Der Mitgründer der Gesellschaft heißt Scharr und ist als Unternehmensberater mit Scharr & Collegen in Leipzig ansässig. Zu den von Herrn Scharr beratenen Unternehmen gehören sowohl die Winzervereinigung in Freyburg als auch die Unternehmen von Georg Prinz zur Lippe, besser bekannt als Schloss Proschwitz.

(Bei Herrn Scharr handelt es sich um einen Mitgründer und vermutlich ehemaligen Geschäftsführer der Weinbaugesellschaft Meißen, am 10.08.2018 verkaufte Herr Scharr seine Geschäftsanteile an Herrn Thomas Göhler aus Halle. Dieser verdient sein Geld mit  komplett anderen Geschäften. Ich erwähne das, weil im Interview gefragt wird, warum ein Investor schon wieder ausgeschieden ist. Die Antwort ist nichtssagend (persönliche Gründe). Da in genau dieser Zeit, wie wenig später bekannt  wurde, die Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen Siegfried Boy bereits im Raum standen und diese seine Entlassung als Vorstand der Gleinaer AG bewirkten, Herr Scharr nicht für voreilige Schnellschüsse bekannt ist, sondern als wohlüberlegender seriöser Geschäftsmann, gehe ich davon aus, dass sich Scharr distanziert hat, um seinen Ruf nicht zu schädigen.  Nicht bekannt ist, ob Siegfried Boy geschäftlich involviert ist. Ich gehe davon aus, das Boy als stiller Gesellschafter,  Bürge oder sogar als Finanzierer fungiert. Natürlich ist dies nur meine persönliche Meinung und die ist im Moment noch nicht belegbar. Sie kann aber auch falsch sein.)


Der Kursiv und in Klammern gesetzte Teil ist bezüglich der Handlungsgründe von Herrn Scharr und der Funktion von Herrn Boy rein spekulativ. Einzig die Vorwürfe gegen Boy und seine Entlassung als Vorstand der Gleinaer AG entsprechen den Tatsachen.

Irgendwie drängt sich mir aber bei der Betrachtung der handelnden Personen so ein Hirngespinst auf. Hier wurde nichts dem Zufall überlassen. Da kann man nur hoffen, dass der Weinskandal von vor drei Jahren in Sachsen tatsächlich auf Schlamperei basiert.
Denn glaubt man den Aussagen einiger sächsischer Winzer, so öffnete dieser Skandal der neu geschaffenen Meissner Weinbaugesellschaft (ehemals Weindomäne Meißen GmbH) erst Tür und Tor. Da ich nicht unter die Verschwörungstheoretiker falle, glaube ich ganz fest daran, dass es Schlamperei, nicht Absicht war.
Weitere Teile des Interviews befassen sich dann mit dem Wein der gemacht werden soll. Es kommt die Philosophie der Betreiber zur Sprache. Zieger sen. erwähnt, dass mehrere Millionen in Technik investiert wurden und dass sechs Arbeitskräfte die 35 Hektar bewirtschaften sollen. Mal so unter uns, das ist ne richtige Aufgabe und so mancher Winzer mit 60% geringerer Rebfläche kann sich ein Scheibchen abschneiden. Sparen geht immer. Alles soll schlank bleiben, da wird auf jegliche Aktivität im Verkauf verzichtet. Wie das geht wurde nicht erwähnt. Es sei denn, man hat schon einen Abnehmer. Natürlich möchte man auch die sächsischen Winzer unterstützen, in dem man ihnen Trauben verkauft. Der Hauptteil der Trauben wird, so Zieger Senior, zu Qualitätswein in Zadel verarbeitet. Das Ziel ist es, so Reinhold Zieger, hohe Qualität zu günstigen Preisen zu verkaufen. Wie das geht hat er ebenfalls nicht erwähnt. Dass es nicht geht, weiß jeder. Natürlich ist Qualität reine Ansichts- und Geschmachssache. .
Also was hat man vor? Hier wird es dann ganz einfach, die Weine werden, auch das erwähnte Zieger, im Lebensmitteleinzelhandel gestreut. Meine Vermutung ist, die Firma Mack & Schühle wird der Distributor sein. Da wäre es ein Abwasch mit den Weinen der Winzervereinigung. Auch hier wird der überwiegende Teil der Weinproduktion von Mack & Schühle im LEH vertrieben.
Die Rechnung ist denkbar einfach. Aus 35 Hektar Rebanlagen darf man in Deutschland ca. 420.000 Flaschen a 0,75 Liter Deutschen Qualitätswein pro Jahr abfüllen. Jeder kann sich also selbst ausrechnen, was da unter dem Strich bleibt.

Bei einer Abgabe an den Distributor von drei Euro netto pro Flasche erzielt man 1.260.000,00 Euro netto Ertrag. Abzüglich der Kosten (inkl. Kapitaldienst) von geschätzten 750.000 Euro bliebe ein Rohertrag vor Steuer von rund 500.000 Euro im Jahr.
(Die verwendeten Zahlen sind lediglich Annahmen des Verfassers, da noch keine Zahlen vorliegen. Ich beziehe mich hierbei auf Aussagen und Zahlen anderer Winzer Sachsens über deren Ertrags- , Umsatz- und Gewinnkalkulationen.) 


Mag sein, dass es hier und da Abweichungen geben wird, Jahrgänge relatvierend wirken, es vor allem nicht sofort erreicht wird,  aber das erklärte Ziel ist es schon. Denn wir sprechen über Finazgeschäfte nicht über Weinbau. Der Weinbau ist nur das Mittel. Und da hat Herr Zieger Recht, je größer die Fläche und schlanker der Betrieb, desto größer ist der Gewinn. Wir haben es hier also nicht mit Weinbauern, sondern mit Finanzspekuklanten zu tun. (Ein normal arbeitender Weinbaubetrieb hätte bei der Größenordnung mindestens 20 Mitarbeiter.)  Die wichtigsten Voraussetzungen um Geld zu vermehren sind, und das bestätigt Zieger Senior, schlanke Personalkosten und Verzicht auf alles, was den Weintrinkern spaß macht. Hat man dann auch noch jemanden der diese 420.000 Flaschen kauft und in Deutschland verteilt, ist eigentlich der Segen perfekt. Ja klar, man muss und kann offensichtlich als Vater eines Finanzinvestors damit Leben, dass der dann erzeugte Wein das Mittagsprogramm von RTL 2, das Jungelcamp und wie sie alle heißen mit Erdnussflips und Jogginganzug zum Erlebnis macht.
Na dann Prost Familie Zieger!

Rainer Albert Huppenbauer

*Songtext von Griechischer Wein © BMG Rights Management

 Tags: Hans Albrecht Zieger, Reinhold Zieger, Freyburger Winzervereinigung

Kommentare

neuen Beitrag verfassen:

Name:*
Beitrag:*
Schreiben Sie die obenstehende Ziffern- / Buchstabenkombination in folgendes Feld.*
Alle mit einem * markierten Felder sind Pflichtfelder!