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Autor: Rainer Albert Huppenbauer | 07.02.2020 um 14:19 Uhr | 0 Kommentare

IV. Tasting der Saale-Unstrut-Vinothek: Ein Resümee

Immer am letzten Sonntag im Januar veranstalte ich in meine Vinothek ein Tasting bei dem Spitzenweine aus deutschen Anbaugebieten (meist so genannte Große Gewächse einiger VdP Winzer) auf Weine ihrer Kollegen vom 51. Breitengrad treffen. Abseits der großen Metropolen im bescheidenen Weindörfchen Naumburg wird es dann spannend. Die anwesenden Winzer können vergleichen und einordnen, die Weinkonsumenten auch werten. Und so sah das aus: Im Programm diesmal Rieslinge aus dem Jahrgang 2018, Blauer Zweigelt 2017 und Spätburgunder von 2015, 2016 und 2017.
Es wurde deutlich, dass die Weine der Saale-Unstrut-Betriebe in allen drei Kategorien ein gutes Wort mitzureden haben. Punktuell sind die Weine der hiesigen Winzer untereinander enger zusammen gerückt. Hatte man noch vor zehn Jahren mal einen oder zwei Weine die an das Niveau der GG herankamen, so ist dieser Zustand heute ein ganz anderer. Die Qualität ist breiter geworden. Aus meiner Sicht sind dies die ersten Ergebnisse einer Zusammenarbeit der Winzer im Verein Breitengrad 51. Und, was man natürlich beachten muss, der klimatische Verlauf der zurückliegenden Jahrgänge von 2016 bis 2018 war eher südländisch geprägt. Das dies nicht unbedingt ein Vorteil für die ist, die sich erst einmal daran gewöhnen müssen mit derlei Vegitationsverläufen umzugehen, ist allerdings auch spürbar. Im Umkehrschluss hätten auch Topwinzer in der Pfalz ein Problem plötzlich mit kühleren Klima klar zukommen. Hitzejahre die sich dann noch im Niederschlag deutlich unterscheiden sind für den 51. Breitengrad eben nicht die Regel. Oder sollte man besser sagen, noch nicht? Was aber auf alle Fälle hilfreich ist, ist die Tatsache, dass im Verein Breitengrad 51 darüber geredet wird, zumindest dann, wenn es mal nicht um Formalitäten geht. Ich betrachte diesen Verein als den Kopf und den Motor dessen, was das Gebiet hier leisten kann.
Der angestaubte Weinbauverband hinkt wie immer hinterher. Mir ist jedenfalls nichts bekannt, was dieser Verband in Punkto Qualitätsstandard eingebracht hat. Die Nennung von Ertragszahlen in Tonnen fördert allein keine Qualität hervor.

Aber lassen wir das. Zurück zum Tasting.
Rieslinge 2018:
Ja man kann trefflich darüber streiten, was dieser und jener denn nun wohl meint mit seiner Auslegung von Riesling. Ich fand bestätigt, was ich auch schon postuliert habe: Nicht jedes Großes Gewächs ist auch eins. Und es gibt keine Wahrheit nur Meinungen. Für meinen Geschmack gab es fünf Rieslinge mit Ausnahmecharakter.

1. Wagner Stempel,Heerkretz GG 2018, Rheinhessen
2. Rebholz, Kastanienbusch GG 2018,Pfalz
3. Emrich Schönleber, Halenberg GG 2018, Nahe
4. Gussek, Kaatschener Dachsberg, 2018, Saale-Unstrut
5. Domäne Wachau, Ried Kellerberg 2018, Wachau

Da auch Reinhard Löwenstein, Rudolf Fürst, Haidle und Van Volxem mit Großen Gewächsen vertreten waren polarisierten diese Weine am stärksten. Vermutlich hatte jeder Teilnehmer am Tasting so seine eigene Liste. Sehr deutlich wird dies bei Rudolf Fürst. Für mich ein Wein der jeden Rieslingablehner das bestätigt, was ihn genau an Riesling stört. Nun bin ich kein Rieslingablehner sondern ein großer Freund dieser Rebe. Und dennoch habe ich den Wein nicht verstanden, er hatte von allem zu viel. Andere hingegen waren begeistert. Tja, so kann es gehen.

Zweigelt 2016/2017/2018
Das Wesentliche zuerst. Herr Zweigelt ist Tod (zum Glück), sein Wein lebt und kommt in einer Region zu neuen Ehren, die diese Rebe seit gut 30 Jahren pflegt. Die getesteten Jahrgänge fallen in genau in die eingangs beschriebene „Wärmezeit“ hier am 51. Breitengrad.
Zweigelt war vor vier Jahren schon einmal Thema. Damals deutlicher Nachholbedarf, in diesem Jahr war der auf der anderen Seite.
1. Gussek, Kaatschener Dachsberg BG 512017 Saale-Unstrut
2. Born,Höhnstedter Kreisberg BG51 2016 Saale-Unstrut
3. Haidle, Zweigelt R 2017,Württemberg
4. Hey, Naumburger Steinmeister BG51, 2017, Saale-Unstrut
5. Krug, Ried Eichkogel Reserve, 2017, Thermenregion

Spätburgunder 2015-2018
Ich erinnere mich gut an den Gesichtsaudruck des Schweizer Weinkritikers René Gabriel, als er Gusseks Spätburgunder probierte. Er stellte die Frage an Gussek was der Wein kostet. Gussek antwortete 24 Euro. Gabriel runzelte die Stirn und sagte: Nehmen sie mindestens das Doppelte.

Genau wie beim Zweigelt gibt es auch hier im Vergleich zum ersten Tasting eine neue Sicht. Das Klima und der Umgang mit der Rebe wandeln sich gerade in Naumburg und Umgebung. Das Ergebnis sind keine Ahrweine, wohl aber ernstzunehmende, charaktervolle Burgunder, die über Qualitäten verfügen, die noch vor fünf Jahren in dieser Breite nicht denkbar waren. Hier meine Top 8 Weine der Verkostung.

1. Stodden,Sonnenberg GG,2017 Ahr
2. Rings, Steinacker 1. Lage 2016, Pfalz
3. Meyer Näkel, Silberberg GG, 2017, Ahr
4. Hey, Steinmeister, 2017, Saale-Unstrut
5. Gussek, Kaatschener. Dachsberg ***  ,2017, Saale-Unstrut
6. Böhme&Töchter, Freyb. Schweigenberg 2017 Saale-Unstrut
7. Rebholz, Gutswein, 2015, Pfalz
8. Weigel, Steinmeister, 2017,Saale-Unstrut

Alles in allem ein erkenntnisreicher Nachmittag mit mancher Überraschung. Na mal sehen was 2019 auf uns zurollt, denn auch in 2021 gibt es wieder ein Tasting.  
 Tags: Saale-Unstrut-Vinothek Tasting

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