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Autor: Rainer Albert Huppenbauer | 08.10.2018 um 14:12 Uhr | 0 Kommentare

Der Jahrgang 2018 - Deutschland vor größter Lese seit 1999

Es ist viel los auf den Weinbühnen dieser Welt. Aus deutschen Landen übertreffen sich die Meldungen über die Erntemengen. Im Vergleich zum 10 jährigen Durchschnittswert haben alle Weinanbaugebiet zum Teil deutlich zugelegt. Den geringsten Zuwachs weisen Saale-Unstrut (+5%) und Sachsen (+7%) aus. Die größten Zuwächse im Mittel der letzten zehn Jahre reichen von 17% in der Pfalz und 64 Prozent am Mittelrhein. Insgesamt wurden über 11 Mio. Hektoliter Wein geerntet.
Es bleibt abzuwarten, wie sich die Qualitäten entwickeln. An Saale-Unstrut gehe ich davon aus, dass es viele halbtrockene und liebliche Weine geben wird. Im Spitzensegment (Gussek, Hey, Pawis, Proppe, Lützkendorf, Böhme & Töchter, Born, Wartenberg und Sauer - Steinmeister), erwarte ich eine ganze Reihe hochklassiger Weine in allen Segmenten.
Auch Winzern wie Herrn Bobbe, Andre Zahn, Klaus Böhme und dem Landesweingut Kloster Pforta traue ich ähnliche Qualitäten zu. Nun wir müssen abwarten. Indes sind die ersten Weine des 2018er Jahrgangs schon in den Startlöchern.

Der erste 2018er  Wein von Saale-Unstrut ist im Anmarsch
Der Müller Thurgau von Bernard Pawis, ich durfte schon probieren, wird wohl noch in dieser Woche, also bis 12. Oktober in den Handel kommen. Ich sage mal Weltrekord. Geschmacklich kann ich sagen, dass er mir sehr gut gefällt. Trockner als in den Vorjahren, mit stabiler Mineralität, feinen Zitrusaromen und extraktreich. Auf Grund der Aromenfülle und des dichten Extraktes tut es gut, dass er schön trocken ist und die Säure den Wein frisch macht.

Carabinieri schlagen zu     
In Italien wurde die Sondereinheit NAS  fündig und beschlagnahmte bei zwei Proseccoerzeugern insgesamt Weine im Wert von 3 Millionen Euro. In den Betrieben wurde illegal mit Zucker angereichert. Der Betrug wurde zugegeben. In Italien ist generell das Anreichern und Säuern von Weinen untersagt.

Weineinfuhren nach Deutschland    
Man glaubt es kaum, aber der Import italienischer Weine nach Deutschland ist rückläufig. Im Vergleich zum Vorjahr wurde rund 11% weniger importiert. Dagegen sind die Importe aus Spanien, Südafrika und Neuseeland deutlich gestiegen.
Die größte Einbuße war allerdings bei Weinen aus den USA zu verzeichnen. Sicher auch eine Reaktion auf die derzeitige USA Handelspolitik.

Das war es für heute. Ich freue mich auf spannende Tage bis zum endgültigen Abschluss der Lese an Saale-Unstrut.
Autor: Rainer Albert Huppenbauer | 07.10.2018 um 14:03 Uhr | 0 Kommentare

Die Gleinaer Provinzposse, good oder doch bad Boy?

Die Gleinaer Privinzposse?
Mehr ist eigentlich nicht zusagen. Oder hat noch jemand offene Fragen?
Zur Geschichte: Ende August wurde der langjährige Vorstandsvorsitzende der Gleinaer AG, Siegfried Boy als Vorstand vom Aufsichtsrat entlassen. Der Vorwurf: Sexuelle Belästigung einer Mitarbeiterin der AG. Eine Anzeige gegen Boy wurde nie erstattet, dieser wähnt sich im Recht. Der Vorwurf wurde weder entkräftet noch bewiesen. Seine Ämter als Weinbaupräsident und Vorstand der Freyburger Winzervereinigung ließ er ruhen, wie es hieß, um die Ämter nicht zu beschädigen. Ebene eins.

Ebene zwei: Die Genossenschafter der AG stimmen über Boy und seine Entlassung ab. Laut Berichten der MZ stimmen von 97 anwesenden Mitgliedern der AG, in einer Vollversammlung, 69 gegen die Entlassung. Damit ist Boy wieder im Amt bestätigt.
So die MZ. Allerdings waren nur 60 Mitglieder von 240 tatsächlich anwesen. Vermutlich gibt es für größere Antelseigner mehr Stimmrechete. Vieles bleibt im Dunkeln. Wie setzen sich die Stimmrechte zusammen, ist nur eine Frage. Keiner der berichtenden Hobbyjournalisten fragte das nach.
Warum so entschieden wurde, liegt jedoch auf der Hand, Boy leistete als Vorstand erfolgreiche Arbeit, diese zahlte sich für die großen Genossenschafter aus, dass soll so bleiben. Was man hat, hat man, was kriegt weiß man nicht. Zudem sollte jedem Genossenschafter bei der Abstimmung klar gewesen sein, bleibt die Entlassung bestehen, wird Boy klagen. Die Möglichkeit, dass Boy einen Rechtsstreit gewinnt, oder ein Vergleich geschlossen wird besteht, egal ob er gefehlt hat oder nicht.
Ein Sieg von Boy wäre vermutlich teuer. Zu bezahlen hätten es die Genossenschafter. Ihre Entscheidung daher logisch.
Mit Ebene eins und dem Glaube an Boys Unschuld, hat das gar nichts zu tun.
Und so wird also alles so bleiben wie es war? Aber es wird eine Frage bleiben.

Hat er, oder hat er nicht?

Hat er nicht, dann müsste er, um seine eigene Glaubwürdigkeit zu bewahren, juristisch gegen die Dame  vorgehen, die die Behauptung, dass sie durch Boy sexuell belästigt wurde, in die Welt gesetzt hat. Es wäre Rufschädigung, üble Nachrede und Verleumdung oder alles zusammen. Unterlässt Boy diese Anzeige, bleibt der Verdacht in der Welt. Es muss reiner Tisch gemacht werden. Denn einer lügt. Bei der Ämtervielfalt des Herrn Boy, ihrer Bedeutung für die Region, kann m.E. nur Schaden abgewendet werden, wenn entweder Boy sein Fehlverhalten einräumt, oder die Dame zugibt gelogen zu haben. Da vermutlich beide Seiten das nicht tun werden, bleibt der Verdacht bestehen. Ein Gericht könnte Klarheit schaffen. Bleibt alles wie es jetzt aussieht, müsste auch der Aufsichtsrat Konsequenzen ziehen. Passiert all das nicht, gibt es m. E. einen Deal zwischen den Akteuren. Anders ist das nicht zu erklären.

Hat er doch, und setzt darauf, dass sein Fehlverhalten juristisch nicht bewiesen werden kann und Aussage gegen Aussage steht, dann wird es zur moralischen Frage, die nur Herr Boy selbst beantworten kann.
Die Parallelen zu den in USA gerade laufenden Vorgängen um Trump und seine Männerfreundschaften, Prostituierten Affären, sexuelle Belästigungen und was man sonst so alles liest, ist aus dem gleichen Holz. Es gibt eine Menge Drecksäcke auf der Erde, die um ihre „Ehre“ zu bewahren, ein ganzes Land aus den Angeln heben würden, egal was es kostet. Sie machen auch vor der Zerstörung von Existenzen, ja sogar vor deren physischer Vernichtung keinen Halt, nur um zu bleiben was sie sind. Unter ihnen sind Kirchenfürsten, Staatspräsidenten rund um den Erdball, Präsidenten von Fußballvereinen, IOC Mitglieder, Wirtschaftsbosse (Dieselgate), Filmregisseure, Armeebefehlshaber und ein Bauer.  
It`s money that matters!   

P.S. Man könnte fast einen Liveticker starten. Heute 11.10.2018 wurde bekannt, dass Boy in der Agrargenossenschaft Hausverbot hat. Die Schlösser wurden auch gewechselt, sagt der Volksmund. Aber nicht nur schlechte Nachrichten für den "bad boy" aus Laucha.
Seine Winzervereinigung holt ihn zurück, der Aufsichtsrat, der sich möglicher Weise damit selbst aus der Schusslinie bringen will, eventuell bestehen ja gemeinsame Bindungen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden und den Geschäften des selbigen in Sachsen, hat ihn gebeten doch seinen Posten als Vorstand wieder anzutreten. Aber das war ja ohnehin klar.
Spannend wird die Frage, wie das Präsidium des Weinbauverbandes, das ja Boy gewählt hat, die ganze Sache angeht. Ich befürchte fast, die Winzer und Winzerrinnen sind damit überfordert. Den Winzern möchte man zurufen, denkt an Olly Kahn (ehm. Bayern München) und seinen legendären Satz nach einem verlorenem Spiel : Eier, wir brauchen Eier. Sprachs und ging in die Kabine. 
    Tags: Siegfried Boy, Gleinaer AG
Autor: Rainer Albert Huppenbauer | 12.09.2018 um 11:27 Uhr | 0 Kommentare

Die Weinwelt in diesen Tagen

Jeden Tag erreicht uns eine Flut von Meldungen über alle möglichen Ereignisse in der Welt.
Jeder verantwortliche Politiker rund um den Globus, jetzt sogar Horst Seehofer, twittert seine Meinung in die Welt hinaus, um sie vier Tage später richtig zu stellen. In der Weinbranche geht es in diesem Punkt deutlich gesitteter zu. Wenige Skandale, viele nüchterne, gute Meldungen über Menschen und Wein.
Ich habe mir gedacht, dass ich ab sofort, einmal pro Woche die wichtigsten Meldungen die mich über verschiedenste Quellen erreichen zusammenfasse und diese für sie aufschreibe. Natürlich auch mit der einen oder anderen Wertung.

Die Lese 2018
Die beste Meldung die ich in dieser Woche erhielt, kam von Reinhard Löwenstein. Kurz und knapp: Am Mittwoch (19.09.18) fangen wir an mit lesen. Es sieht sehr gut aus.
Auch an der Mosel war es sehr trocken, dennoch nicht so trocken wie in Mitteldeutschland. Aber die letzten Wochen haben hier wie dort erstaunliches hervorgebracht. Eine Lese die es vermutlich so noch nicht gab. Der überwiegende Teil der Trauben in deutschen Landen ist derart gesund, dass die zu erwartenden Ausfälle durch die Trockenheit kompensiert werden.
Es gibt defacto keine faulen Trauben. Dies legt sich auf die Qualität und die Menge, da nichts aussortiert werden muss. Auch aus anderen Ländern in denen vor zwei Monaten noch deutlich Zurückhaltung angesagt war scheint sich alles zu relativieren. Erstmals hat zum Beispiel Apulien in der Erntemenge Venetien den Rang abgelaufen. Nur aus Apulien wurden elf Mio.
Hektoliter Wein gemeldet. Die Primotivo Fangemeinde wird es freuen, nicht nur der Qualität wegen.
Geringere Lesemengen, im Vergleich zu den Vorjahren, gab es nur in Südafrika und Australien.

Familie Moueix verkauft Anteile von Petrus:
Aus Frankreich wird derweil auch ein Rekord vermeldet. Das ca. elf Hektar große Weingut Château Petrus hat einen neuen Mitinhaber. Die Besitzerfamilie Moueix hat zwanzig Prozent der Anteile an einen südamerikanischen Investor für stolze zweihundert Millionen Euro verkauft. Da das Unternehmen Petrus rund eine Milliarde Euro wert ist, entspricht das einem Hektarpreis von rund achtundachtzig Millionen Euro.

Das Winzerfest an Saale-Unstrut:
Aber weg von den Superlativen, zurück an die Saale. In der letzten Woche fand in Freyburg das traditionelle Winzerfest statt. Eine neue Weinkönigin wurde gekrönt und ein wenig Licht, durch die in diesem Jahr teils gewollten, teils nicht so gewollten personellen Veränderungen im Weinbauverband, ist am Ende des Tunnels zu sehen. Und wenn man es in diesem Gremium (Weinbauverband) schafft, das Winzerfest wieder Winzerfest werden zu lassen, dann ist doch schon viel erreicht.
Ich frage mich, was macht ein Boxer in einem Winzerumzug? Irgendwie passt Wein und Boxer nicht so richtig zusammen. Das ist Klamauk, bestenfalls Karnevalsniveau. Dafür fehlten die Winzer fast vollständig im Umzug. Ein neues Konzept muss her, weg vom allgemeinen Volksfest hin zum vinophilen Ereignis das Menschen den Saale-Unstrut-Wein näher bringt. Ein bisschen Volksfest ist ja nicht schlecht, aber nur Volksfest mit Weinbegleitung ist nicht gut für das Image. Und eventuell machen ja dann auch die verlorenen Söhne (Weingüter), die das Fest in großer Zahl meiden, wieder mit.  
Rainer Huppenbauer

P.S.Bitte beachten Sie, dass wenn Sie einen Kommentar verfassen, dass dieser anonym nicht veröffentlicht wird. Völlig gleichgültig wie er geschrieben ist (pro oder contra). Wenn man eine Meinung hat, sollte man auch dazu stehen.
Tags: Château Petrus, Heymann Löwenstein, Freyburger Winzerfest
Autor: Rainer Albert Huppenbauer | 06.09.2018 um 17:15 Uhr | 0 Kommentare

Nun geht er auch noch unter die Dichter… Denker wäre besser!

Offensichtlich angefressen sollte man nicht über Wein schreiben. Der bedeutendste schreibende Fußballer aller Zeiten hat ein Problem. Er hält den einen oder anderen Winzer der „Breitengradler 51“ für einen elitären Spinner. Wirft Elitedenken in den Raum, vergisst Gusseks Grauburgunder und entwickelt Superlative wie Monument, um es wieder gut zu machen. Er bestimmt wie ein Traminer und Wein überhaupt zu schmecken hat, ein Chardonnay den er gern kaufen würde ist in den falschen Händen, und schon wird ein vom Holz erschlagener Garagenwein das Non plus Ultra.  Nun weiß man nicht in welchem Zustand so eine journalistische Kostbarkeit verfasst worden ist. Eventuell sollte so ein Zeitungsverlag (Naumburger Tageblatt)  mal Pustefixgebläse der Polizei austeilen, um der Sache auf den Grund zu gehen.  
Woher der ganze Frust kommt ist leicht erklärt, er darf nicht mitmachen bei der Auswahl. Also beschränkt er sich auf`s Motzen, möglichst so: Lobt, wo nichts zu loben ist, so dass keiner merkt wie angefressen er ist. Man will ja auch im nächsten Jahr wieder angebrochene Flaschen in das Auto laden und auf der Gästeliste stehen. Das der Beitrag über die Breitengradveranstaltung in  Pforte dann auch mehr von den Winzern bestimmt wird, die als Gäste eingeladen waren (über zwei Drittel des Beitrages) deutet darauf hin, das erkennen nicht nur Therapeuten: Hier fühlt sich einer unverstanden. Tja!
Hier der Artikel
Rainer Albert Huppenbauer

P.S. Für alle die einen Kommentar verfassen wollen, den Namen nenen und eine Mailadresse und schon seid ihr dabei.   Einträge mit rassistischen und menschenfeindlichen Aussagen, wie gestern empfangen, sind allerdings ausgeschlossen. Einfache Regel, oder? 
Autor: Rainer Albert Huppenbauer | 01.09.2018 um 14:54 Uhr | 0 Kommentare

Griechischer Wein aus Sachsen?

Als Udo Jürgens dereinst vom griechischen Wein sang, war der „Junginvestor“ Hans Albrecht Zieger noch gar nicht geboren. Schade eigentlich, denn das Lied enthält einige Aspekte, die auch auf jr. Zieger zutreffen könnten:

Sie sagten sich immer wieder
Irgendwann geht es zurück
Und das Ersparte genügt zu
Hause für ein kleines Glück
Und bald denkt keiner mehr daran
Wie es hier war.*

Na klar ist das weit hergeholt, aber wenn ein Vater in einem von der Sächsischen Zeitung veröffentlichten Interview seinen Sohn als Investor bezeichnet, der nun, so meine Auslegung, den von Skandalen gebeutelten sächsischen Weinbau retten soll, gibt es unter irgendeinem Hut beträchtliche Defizite.
Aber zum Thema des Interviews mit Zieger Senior.
Wenn man es liest und genauer betrachtet, hat man hinterher mehr Fragen als vor der Lektüre. Zieger vermeidet es zum Beispiel Namen und Funktionen zu nennen. Die Namen die genannt werden, der seines Sohnes und der von Jörg Erdmann werden in einem Kontext benutzt, der den Leser auf eine falsche Fährte lenkt.
Ein Beispiel: Natürlich hat Jörg Erdmann Weinbau und Önologie studiert und in den beiden Staatsweingütern von Sachsen und Sachsen Anhalt (Kloster Pforta, Wackerbarth) gearbeitet.
Der Hacken ist nur, seine Tätigkeiten in beiden Weingütern fanden niemals im Weinkeller statt. Sein Arbeitsplatz war doch eher das Büro.
Nun ist er Kellermeister eines Betriebes mit 35 Hektar Rebfläche. Mit Verlaub, das ist für einen Mann mit Null Kellererfahrung eine ziemliche Herausforderung. Ich gehöre nicht zu denen, die da scherzhaft bemerken: „Der hat nur deshalb nicht im Keller gearbeitet, weil er eine Kartoffel nicht von einer Weintraube unterscheiden kann.“ Dass er aus Sachsen stammt hat Zieger Senior nicht erwähnt. Jeder der jedoch den Artikel in der SZ liest glaubt, oh ein Mann mit großer Erfahrung. Und so kann man davon ausgehen, dass Zieger jr. da wohl eingreifen wird, denn der hat Erfahrung mit derlei Größenordnungen. Ob das nun wieder mit seiner Arbeit als Geschäftsführer der Freyburger Winzervereinigung vereinbar ist, muss der Aufsichtsrat selbiger beurteilen. Und da liegt der Hase bereits das zweite Mal im Pfeffer.
Der Aufsichtsratsvorsitzende ist der im Interview nicht namentlich erwähnte Rechtsanwalt aus Halle. Der heißt Silbersack und hält genau wie Zieger 33,333 % Anteile an der Meissner Weinbaugesellschaft. Er ist also genau wie der, den er eigentlich beaufsichtigen soll, im gleichen Boot. Da es in der Absatzsituation auch noch ein Interessenkonflikt ist, der die Winzervereinigung in Freyburg benachteiligen könnte, kann man sich den Aufsichtsrat der Freyburger Winzervereinigung eigentlich klemmen. Er ist wohl oder übel befangen. Denn pfeift er seinen Geschäftsführer zurück, schadet er sich privat. Eigentlich ist aus dieser Konstellation nur ein Rücktritt einer der beiden Seiten (Geschäftsführer oder Aufsichtsratsvorsitzender) die Lösung.
Tritt Zieger jr. zurück, würde der Text von Udo Jürgens wieder stimmen.
Der dritte im Bunde mit gleichen Anteil hat bereits gewechselt, im Artikel der SZ als Geschäftsmann aus Halle bezeichnet. Der Mitgründer der Gesellschaft heißt Scharr und ist als Unternehmensberater mit Scharr & Collegen in Leipzig ansässig. Zu den von Herrn Scharr beratenen Unternehmen gehören sowohl die Winzervereinigung in Freyburg als auch die Unternehmen von Georg Prinz zur Lippe, besser bekannt als Schloss Proschwitz.

(Bei Herrn Scharr handelt es sich um einen Mitgründer und vermutlich ehemaligen Geschäftsführer der Weinbaugesellschaft Meißen, am 10.08.2018 verkaufte Herr Scharr seine Geschäftsanteile an Herrn Thomas Göhler aus Halle. Dieser verdient sein Geld mit  komplett anderen Geschäften. Ich erwähne das, weil im Interview gefragt wird, warum ein Investor schon wieder ausgeschieden ist. Die Antwort ist nichtssagend (persönliche Gründe). Da in genau dieser Zeit, wie wenig später bekannt  wurde, die Vorwürfe wegen sexueller Belästigung gegen Siegfried Boy bereits im Raum standen und diese seine Entlassung als Vorstand der Gleinaer AG bewirkten, Herr Scharr nicht für voreilige Schnellschüsse bekannt ist, sondern als wohlüberlegender seriöser Geschäftsmann, gehe ich davon aus, dass sich Scharr distanziert hat, um seinen Ruf nicht zu schädigen.  Nicht bekannt ist, ob Siegfried Boy geschäftlich involviert ist. Ich gehe davon aus, das Boy als stiller Gesellschafter,  Bürge oder sogar als Finanzierer fungiert. Natürlich ist dies nur meine persönliche Meinung und die ist im Moment noch nicht belegbar. Sie kann aber auch falsch sein.)


Der Kursiv und in Klammern gesetzte Teil ist bezüglich der Handlungsgründe von Herrn Scharr und der Funktion von Herrn Boy rein spekulativ. Einzig die Vorwürfe gegen Boy und seine Entlassung als Vorstand der Gleinaer AG entsprechen den Tatsachen.

Irgendwie drängt sich mir aber bei der Betrachtung der handelnden Personen so ein Hirngespinst auf. Hier wurde nichts dem Zufall überlassen. Da kann man nur hoffen, dass der Weinskandal von vor drei Jahren in Sachsen tatsächlich auf Schlamperei basiert.
Denn glaubt man den Aussagen einiger sächsischer Winzer, so öffnete dieser Skandal der neu geschaffenen Meissner Weinbaugesellschaft (ehemals Weindomäne Meißen GmbH) erst Tür und Tor. Da ich nicht unter die Verschwörungstheoretiker falle, glaube ich ganz fest daran, dass es Schlamperei, nicht Absicht war.
Weitere Teile des Interviews befassen sich dann mit dem Wein der gemacht werden soll. Es kommt die Philosophie der Betreiber zur Sprache. Zieger sen. erwähnt, dass mehrere Millionen in Technik investiert wurden und dass sechs Arbeitskräfte die 35 Hektar bewirtschaften sollen. Mal so unter uns, das ist ne richtige Aufgabe und so mancher Winzer mit 60% geringerer Rebfläche kann sich ein Scheibchen abschneiden. Sparen geht immer. Alles soll schlank bleiben, da wird auf jegliche Aktivität im Verkauf verzichtet. Wie das geht wurde nicht erwähnt. Es sei denn, man hat schon einen Abnehmer. Natürlich möchte man auch die sächsischen Winzer unterstützen, in dem man ihnen Trauben verkauft. Der Hauptteil der Trauben wird, so Zieger Senior, zu Qualitätswein in Zadel verarbeitet. Das Ziel ist es, so Reinhold Zieger, hohe Qualität zu günstigen Preisen zu verkaufen. Wie das geht hat er ebenfalls nicht erwähnt. Dass es nicht geht, weiß jeder. Natürlich ist Qualität reine Ansichts- und Geschmachssache. .
Also was hat man vor? Hier wird es dann ganz einfach, die Weine werden, auch das erwähnte Zieger, im Lebensmitteleinzelhandel gestreut. Meine Vermutung ist, die Firma Mack & Schühle wird der Distributor sein. Da wäre es ein Abwasch mit den Weinen der Winzervereinigung. Auch hier wird der überwiegende Teil der Weinproduktion von Mack & Schühle im LEH vertrieben.
Die Rechnung ist denkbar einfach. Aus 35 Hektar Rebanlagen darf man in Deutschland ca. 420.000 Flaschen a 0,75 Liter Deutschen Qualitätswein pro Jahr abfüllen. Jeder kann sich also selbst ausrechnen, was da unter dem Strich bleibt.

Bei einer Abgabe an den Distributor von drei Euro netto pro Flasche erzielt man 1.260.000,00 Euro netto Ertrag. Abzüglich der Kosten (inkl. Kapitaldienst) von geschätzten 750.000 Euro bliebe ein Rohertrag vor Steuer von rund 500.000 Euro im Jahr.
(Die verwendeten Zahlen sind lediglich Annahmen des Verfassers, da noch keine Zahlen vorliegen. Ich beziehe mich hierbei auf Aussagen und Zahlen anderer Winzer Sachsens über deren Ertrags- , Umsatz- und Gewinnkalkulationen.) 


Mag sein, dass es hier und da Abweichungen geben wird, Jahrgänge relatvierend wirken, es vor allem nicht sofort erreicht wird,  aber das erklärte Ziel ist es schon. Denn wir sprechen über Finazgeschäfte nicht über Weinbau. Der Weinbau ist nur das Mittel. Und da hat Herr Zieger Recht, je größer die Fläche und schlanker der Betrieb, desto größer ist der Gewinn. Wir haben es hier also nicht mit Weinbauern, sondern mit Finanzspekuklanten zu tun. (Ein normal arbeitender Weinbaubetrieb hätte bei der Größenordnung mindestens 20 Mitarbeiter.)  Die wichtigsten Voraussetzungen um Geld zu vermehren sind, und das bestätigt Zieger Senior, schlanke Personalkosten und Verzicht auf alles, was den Weintrinkern spaß macht. Hat man dann auch noch jemanden der diese 420.000 Flaschen kauft und in Deutschland verteilt, ist eigentlich der Segen perfekt. Ja klar, man muss und kann offensichtlich als Vater eines Finanzinvestors damit Leben, dass der dann erzeugte Wein das Mittagsprogramm von RTL 2, das Jungelcamp und wie sie alle heißen mit Erdnussflips und Jogginganzug zum Erlebnis macht.
Na dann Prost Familie Zieger!

Rainer Albert Huppenbauer

*Songtext von Griechischer Wein © BMG Rights Management

 Tags: Hans Albrecht Zieger, Reinhold Zieger, Freyburger Winzervereinigung