Über Frank Böhmes Vermögen sehr guten Wein zu machen, habe ich des öfteren berichtet. Spätestens seit das Weingut als Böhme & Töchter firmiert, kommt man nicht umhin, eben auch die Famile in die Berichterstattung einzubeziehen. Ehefrau Heike, Franks Eltern und die Töchter Marika und Toska sowie die Schwiegersöhne Sandro und Carlo sind Teil des Erfolges. Frank Böhme weiß darum. Die nun in diesem Jahr in der Jungweinprobe des 2015er Jahrgangs vorgelegten Weine sind kein Produkt eines Einzelnen. Alle Mitglieder der Familie haben einen Beitrag, wie auch immer geleistet. In dieser Art ist das in der gesamten Region einzigartig.
Die Weine des 2015er Jahrgangs im Weißweinbereich erfüllen all das, was man sich unter einem deutschen Spitzenwein vorstellt - mal mehr mal weniger. Im Detail heißt das: Zwei grandiose Rieslinge, ein Orts- und ein Lagenwein mit derart charakteristischen Zügen beim Ortswein und einem Anklang von Moderne beim Lagenwein, dass man hin und her gerissen ist. Ich für meinen Teil tendiere zum durchgegorenen Ortswein. Meine Frau eher zum Lagenklassiker. Der Müller-Thurgau sehr gut, ein wenig trockener brächte noch mehr Biss, aber das ist Geschmacksache. Bacchus im bekannten und beliebten Böhmestil mit etwas Restsüße, sehr charmant. Gutedel und Silvaner grundsolide, was soll man erwarten, es sind Tischweine und in beiden Fällen genau dafür gemacht. Ich will auch keinen Gutedel, über den ich philosophieren soll wie über einen Château Yquem 1945.
Die Weißburgunder, bisher von allem was ich in der Region probiert habe, zeigen die Böhmeweine die ausgeglichenste Substanz in Bezug auf die Säure. Mit anderen Worten, weniger als bei anderen. Wir werden sehen, wie sich das in einem halben Jahr darstellt, ich bin sehr gespannt. Einer der ganz großen Momente dieser Weinprobe der Chardonnay. Ich habe den Eindruck, dass mit zunehmenden Alter der Reben der Freyburger Schweigenberg für den Chardonnay ein perfektes Terroir bietet. Der Wein hat eine schöne Zukunft. Blanc de Noir und Rosé, zwei weitere Kracher. Beide vorzüglich, besonders der Rose mit viel Rasse. Keine Fruchtlimonade. Die Roten, ja die Roten, hier wäre es aus verkaufpolitischen Gesichtspunkten besser gewesen, auf die Präsentation zumindest des Portugiesers zu verzichten. Aber des Winzers Wille soll geschehen, und wir Kritiker wissen ohnehin alles besser. All denen, die den Wein nicht verstanden haben sei gesagt, er wird sich entwickeln. Nehmen sie mal Bob Dylan, auch der sah früher ganz anders aus. Spaß beisete, der Wein braucht Zeit und wenn man diesen Stil will, bitte schön warten. Ob er sich je richtig öffnet, weiß nur der Wein allein. Ich werde es beobachten und berichten. T&M immer eine Bank, wenn auch hier deutlich die Jugend zu spüren ist. Alles in allem, das kompakteste Gesamtbild seit ich diese Weine schätze und trinke.
Impressionen:
Weinmajestäten mit Frank Böhme

Marika, Toska und mein Freund Robin

Marika und Toska mit den Königlichen

Heike Böhme und Majestäten beim sammeln zum Fototermin

Chef"Koch" Carlo mit Ehefrau Toska

.. es gab nicht nur Wein!