Erwartungsgemäß hat der deutsche Bundestag die Rebflächenerweiterung beschlossen. Allerdings bleibt man unter den von Brüssel vorgegebenen 1% der Rebfläche. 0,3 Prozent, also rund 300 Hektar können zunächst 2016 und 2017 jährlich neu aufgerebt werden. Die Gründe warum man deutlich unter den 1% von der EU bleibt sind vielschichtig und aus deutscher Sicht logisch. Das Ziel den Weinmarkt zu lieberalisieren, wie von der EU angestrebt, findet in Deutschland nicht statt. Dabei ist es wie immer, man weiß nicht ob die Gesetzesnovelle dem EU Recht entspricht. Eigentlich auch egal, zum Schluß macht eh jedes EU Land was es will, der deutsche Weinmarkt boomt, deutsche Weine sind gefragt wie nie, aber es ist wie immer, es boomt nicht bei jedem. Die Produktionsmenge ist schwankend, die Preise relativ hoch und wer seine Weine verkauft, der kann davon sehr gut leben. Aber nicht jeder verkauft seine Weine und so kommen Vertriebsschienen in Gang, die durch den Preisverfall den Winzern langfristig eher schaden als nutzen. Billigsegmente der Discounter sind da nicht mal schuld, nein, es sind Umsatzblasen die gedreht werden, an denen der Handel nur minimal bis gar nicht verdient. Es geht nur um Verdrängung. Dies ist besonders im Internet zu beobachten, aber auch der stationäre Einzeelhandel wie bei HAWESKO, der mit der deutlichen Erweiterung des Netzes von Jauqes Weindepot zusätzlich befeuert wird.
Mit einer zu großen Erweiterung der Rebfläche würde man zusätzlich Öl ins Feuer gießen. Man sieht, die europäischen Probleme sind nicht unbedingt deutsche, aber sich auf dem, was im Moment ist auzuruhen, widerspricht der kapitalistischen Produktionsweise und die ist nunmal nicht konstant. Es gibt Krisen und die machen auch um die deutsche Weinbranche keinen Bogen. Das einzige was hilft ist Qualität auf bestem Niveau, nur so kann ein Winzerbetrieb langfristig seine Zukunft sichern.
Für Saale-Unstrut bedeudet diese Gesetzgebung ein vom Umwelt - und Landwirtschaftsminister Aikens prognostiziertes Wachstum von 10 Hektar jährlich. Herr Aikens hat dabei besonders an junge Winzer gedacht, ich glaube das hat ihm jemand eingeredet. Klar suchen die Fläche, aber jährlich 10 Hektar? Und vermutlich haben die Ansager der Region ihm gleich noch in den Mund gelegt, dass man so die Steillagen retten kann. Wenn man das will, dann muss man es fördern und so einen Anreiz bieten, dass brach liegende Steillagen, besonders in Freyburg, rekultiviert werden. Das macht die Stadt schön und fördert den Tourismus. Und der erwirtschaftet Steuern. Man sollte sich da ein Beispiel am 100 DM Begrüßungsgeld nehemen, Rund 2 Mrd DM wurden verschenkt und flossen direkt in die Kassen der Händler, von dort in die Wirtschaft und zum Finanzminister. Ein schöner Kreislauf.
Also Geld anfassen Herr Aikens, den (jungen) Winzern in die Hand geben, sie nicht zu Schuldnern machen, denn Schulden schmälern auch die Steuerlast. Nur so wird es was mit langfristig und der Region, der es ja schon jetzt recht gut geht?