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Autor: Rainer Albert Huppenbauer | 04.12.2016 um 13:15 Uhr | 0 Kommentare

Gussek ist auf dem Holzweg!

Andre Gussek wird von seinen Mitmenschen, ob seiner ruhigen Art und seiner vornehmen Zurückhaltung, hoch geschätzt. Gepaart mit seinem vinophilen Wissen und der Liebe zum Wein, ergibt das ein Bild von einem Winzer, das schwer zu kopieren ist. Die Weine sowieso. Am vergagenen Wochenende 02/03.12  fand nun bei Gussek die jährliche, so genannte  „Barriqueweinprobe“ statt. An zwei Tagen hatte man die Möglichkeit, sich mit dem aktuellen und vergangenen Schaffen des Winzers in Sachen Holz vertraut zu machen. Das Gussek einer der ersten Winzer der Region war, der sich dem Thema Barrique annahm ist hinlänglich bekannt. Das was da in den letzten zwei Tagen von Gussek geboten wurde, ist vermutlich in dieser Art "weltweit" einmalig.
Mir ist jedenfalls kein Winzer bekannt, der aus ein und demselben Lesegut eines Jahrgangs drei verschiedene Barriqueweine erzeugt.  
So zu erleben beim Grauburgunder vom Kaatschener Dachsberg. Den gibt es als Grauburgunder Barrique und 6,3 Gramm Restzucker pro Liter, Grauburgunder *** Holzfass mit 1,2 Gramm Restzucker pro Liter und einem auf der Maische vergorenem Grauburgunder mit 2,7 Gramm Restzucker. Letzterer trägt den Beinamen „Orange“, was sich allerdings mehr auf die Farbe denn auf den Trend bezieht. Alle drei eint vor allem, dass es sich um unterscheidbare, klar und präzise definierte Weine handelt, die zudem qualitative Maßstäbe definieren, die es beim Grauburgunder so an Saale-Unstrut noch nicht gab. Und selbst der Meister Gussek weiß, dass dieser 2015er Jahrgang etwas möglich machte, auf das wir seit 2003 warten mussten. Außer den Grauburgundern verwöhnten ein Silvaner „alte Reben“ und ein Weißburgunder Barrique die Sinne. Alle Weine, vom Silvaner über den Weißburgunder bis hin zu den Grauburgundern, bestimmen in diesem Segment die Gebietsspitze.
Bei den Rotweinen dann eine ähnliche Herangehensweise wie beim Grauburgunder. Es wird mit dem Holz gespielt ohne es zu übertreiben. Zu erkennen war, dass beim 2015er Jahrgang der Spätburgunder, Zweigelt und Portugieser einer grandiosen Zukunft entgegen gehen. Der Frühburgunder Göttersitz hat hier eine Sonderstellung. Er wirkt auf mich extrem verschlossen und wird sich eventuell in vier bis fünf Jahren zu erkennen geben. Die Roten der Jahrgänge 2013 und 2014 haben mich ebenso überzeugt. Der 2014er Zweigelt mit zwei Jahren im Barrique zeigt deutlich, dass es auch in diesem komplizierten Jahr möglich war anständige Rotweine zu machen. Natürlich nicht mit dem Potential des 2013er und schon gar nicht mit dem das 2015er Jahrgangs vergleichbar. Aber Spaß machte mir dieser Zweigelt dennoch. Man sieht bei diesem Wein deutlich, dass Gussek in diesem Fach weit vorweg ist. Ein schöner Ausklang dann mit einem Weißburgunder Barrique aus dem Jahrgang 2004. Ein ästhetischer Genuss aus einem guten, jedoch keinem herausragenden Jahr wie 2003 mit unglaublich präsenter Struktur, buttrigen und karamellisierten Noten gelber Früchte, kein bisschen müde mit straffer Säure und weichem Gaumenspiel.
Präsentiert wurde diese Veranstaltung durch Andre Gussek und seine Mitarbeiter in einem häuslichen Rahmen ohne Hast und mit viel Gelassenheit. Wichtig zu erwähnen ist weiterhin eine Perle des Betriebes, die sich gern im Schatten des Meisters bewegt und an solchen Tagen mit im Lichte steht. Gemeint ist Hella Päger die Kellermeisterin. Man würde ihr unrecht tun, wenn man sie als gute Seele des Weinkellers bezeichnet. Ich glaube, dass ihre unglaublich beständige Arbeit Andre Gussek den Freiraum schenkt, um eine solch qualitativ hochwertige Vielfalt in die Flaschen zu bekommen.
Danke für den entspannten Abend.
Tags: Gussek, Hella Päger
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