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Autor: Rainer Albert Huppenbauer | 16.12.2018 um 14:16 Uhr | 0 Kommentare

Saale-Unstrut Das Rieslingjahr 2017

RIESLINGE DES JAHRES

Gott sei Dank ist Geschmack streitbar. Die Regel „Hauptsache es schmeckt mir“, ist mit einem Satz ad absurdum zu führen. Dieser Satz lautet: Geben sie einem Zweitklässler einen sehr guten Espresso pur der Ihnen schmeckt. Das Ergebnis dürfte bekannt sein. Und so wie der Zweitklässler sich in seinem Leben daran gewöhnen wird, dass Espresso ohne Zucker eine Delikatesse sein kann, so ist auch unser Geschmack wunderbaren Stationen seiner Entwicklung unterworfen. Ja, je mehr wir uns öffnen, umso stärker der Wandel. Und von daher, ist das Geschwätz von heute: Hauptsache es schmeckt mir, bestenfalls eine Momentaufnahme, die eine kleine Phase unseres Geschmacklebens beschreibt. Arm dran sind die, die immer dem gleichen Geschmack hinterher jagen. Ohne Öffnung, keine Entwicklung. Einen Kompromiss als Momentaufnahme einzugehen, etwas zu Essen oder trinken, was mit der Maxime, Hauptsache es schmeckt mir kollidiert, ist der Weisheit letzter Schluss. Nur dieser Kompromiss öffnet meinen Geschmack. Der eben noch verschmähte Wein, wird bereits Tage später mein Favorit.
Nun genug der Philosophie, wenden wir uns den Tatsachen zu. Die Tatsachen meiner Betrachtungsweise, die ich hier mal in den Raum werfe, lautet für den Jahrgang 2017 (Süßweine außen vor): Säure zwischen sechs und acht Gramm je Liter, Restzucker unter vier Gramm je Liter. Das ist schmeckbar. Auch zu empfehlen: Restzucker knapp über zehn Gramm pro Liter und Säure bei acht Gramm. Diese Art von Weinen, sollte das Ziel unseres Geschmacks sein. Sind wir mal dort angekommen, gibt es kein Zurück mehr. Ich verspreche es Ihnen.
Alle Winzer, leider sind sie immer noch die Minderheit, die so verfahren, machen Weine, die einen langen Genuss versprechen. Der große Rest, sei es nun mit Ehrenpreis des Ministerpräsidenten und dem Votum alter Männer der Weinbruderschaft Saale-Unstrut oder ohne, sollten alsbald getrunken, oder zu trefflicher Sauce verarbeite werden.

Hier nun meine Rieslingfavoriten 2017 trocken & halbtrocken

Der Jahrgang hielt das was er versprach, extrem extraktreiche Weine die vor allem die Rieslinge und Burgunder auf Höhen brachten, die bis dato an Saale-Unstrut nicht zu verzeichnen waren. Dabei war entscheidend, dass der Extrakt, in allen Fällen viel Süße hervorbrachte und förmlich nach Säure schrie. Wurde dies nicht erkannt oder beachtet, sind die Weine eine derart langweilige Brühe, dass es nicht lohnt, darüber zu schreiben. Was ich Ihnen empfehle sind Rieslinge, die ich so noch nicht getrunken habe und die meiner Vorstellung von Qualität von Saale-Unstrut entsprechen.

Riesling TOP 15 Jahrgang 2017 (Reihenfolge ist keine Wertung)

Weingut Proppe        Weisser & Roter Riesling Golmsdorfer Gleisburg trocken
Weingut Proppe        Riesling Golmsdorfer Gleisburg trocken
Winzerhof Gussek     Riesling Naumburger Göttersitz trocken
Winzerhof Gussek     Riesling Naumburger Steinmeister trocken*
Winzerhof Gussek     Riesling Kaatschener Dachsberg trocken*
Weingut Hey              Riesling Naumburger Steinmeister trocken BG 51
Weingut Hey              Riesling Muschelkalk Naumburger Steinmeister trocken²  
Weingut Hey              Riesling Buntsandstein Großjenaer Blütengrund³
Bernard Pawis            Riesling Freyburger Edelacker trocken GG
Bernard Pawis            Riesling R736 Freyburger Schweigenberg halbtrocken
Weingut Frölich Hake Riesling Freyburger Edelacker trocken
Weingut Frölich Hake Riesling Naumburger Steinmeister trocken
Weingut Born             Riesling Höhnstedt trocken

Gutsriesling mit höchstem Trinkspaß:
Winzerhof Gussek    Riesling Qualitätswein Gutswein


* ab Mai 2019 erhältlich, regelmäßig durch mich probiert
² nur als Edition mit Nietzscheetikett erhältlich
³ Weltweit ausverkauft

Allen ein frohes Fest und gute Weine von Saale-Unstrut.
Rainer Albert Huppenbauer

 Tags: Riesling Jahrgang 2017
Autor: Rainer Albert Huppenbauer | 25.10.2017 um 11:56 Uhr | 0 Kommentare

Saale-Unstrut hat fertig (fast), die Moste werden zu Wein…

Weinbau, so habe ich einmal geschrieben, hat viel mit Demut gegenüber der Natur und den Konsumenten zu tun. Der Jahrgang 2017, gerade gelesen, wird schon in wenigen Tagen diese Worte bestätigen, oder eben auch nicht. Bereits in der ersten Novemberwoche wird man die ersten Tropfen der gerade gelesenen Trauben probieren können. Neuer deutscher Rekord. Viel mit Demut hat das zwar nicht zu tun, aber was sollen sie machen? Keine Gutsweine von 2016 mehr im Lager, das Weihnachtsgeschäft steht vor der Tür, nein keine Besinnung, volles Rohr ohne Pause? Oder wartet brav bis April und trinkt so lange Winzervereinigung?  Wer nicht mitmacht hat den Zonk? Es ist ein zweischneidiges Schwert, das nach mehr Menge ruft, damit nach mehr Anbaufläche und langfristig fallender Preise und Qualität?
 
„Herr und Meister! hör mich rufen! - 
Ach, da kommt der Meister!
Herr, die Not ist groß!
Die ich rief, die Geister
werd ich nun nicht los.“
Johann Wolfgang von Goethe
 
Ich will mich hier gar nicht als Gewissen aufspielen, denn auch wir sind dabei. Der Meister, im Fall der Weine ist es die Natur, hat es in den letzten drei Jahrgängen sehr gut gemeint und die Keller gefüllt. Der 2017er Jahrgang, dass stellt sich nun heraus, wird dem Ganzen wohl die Krone aufsetzen. Das ständige Auf und Ab von Sonne und Regen, kalten und warmen Temperaturen und einem Traumfinale im Oktober werden uns Weine bescheren, die vermutlich so schnell nicht wiederkommen. Die Winzer ertrinken im Zuckergehalt ihrer Moste, was auf alkoholreiche Weine bei den Rieslingen und Burgundern, so sie trocken sind, hindeutet. Ich vermute aber auch jede Menge halbtrockene Weine in den Gutsweinbereichen, da niemand einen Müller Thurgau mit 13 Vol % Alkohol möchte. Hier war der gut beraten, der möglichst früh gelesen hat. Für Gutsweine aus Burgundersorten und Rieslingen könnte es eng werden mit trocken. Da neben dem hohen Zuckerwerten auch relativ hohe Säurewerte anzutreffen sind werden die Spitzenbetriebe wohl einen der besten Jahrgänge vorlegen, den die Region jemals gesehen hat. Natürlich geht das nicht per se, es bleibt Winzerkunst und da spielt das Vermögen und Gefühl des Winzers eine enorm große Rolle.
Wie wir in jedem Jahr beobachten dürfen, driftet das Gebiet immer weiter auseinander. Auf der einen Seite die „Tonnenmacher“ auf der anderen Seite die „Philosophen“. Der eine oder andere Philosoph denkt gerade darüber nach, die eine oder andere „Tonne“ mehr zu machen. Ich rufe Euch zu, die ihr daran Gedanken verschwendet: Es geht nur schwanger oder nicht schwanger, ein bisschen schwanger gibt es nicht. Das Fazit: Es erwartet uns ein spannender Jahrgang mit tollen, nie dagewesenen Qualitäten und hoffentlich auch bei den Großproduzenten mit steigender Qualität.

Rainer Albert Huppenbeuer
 
Tags: Jahrgang 2017
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