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Autor: Rainer Albert Huppenbauer | 15.04.2016 um 21:03 Uhr | 0 Kommentare

Jungweinprobe Saale-Unstrut und Sachsen 2016

Am heutigen 15.04.2016 war es nun so weit, die große gemeinsame Jungweinprobe von Saale-Unstrut und Sachsen öffnete pünktlich um 11.00 Uhr  ihre Pforten für Händler, Journalisten und Weinkenner. Ab 14.00 Uhr dann auch für Konsumenten, die nicht nur aus den beiden Regionen kamen.
Ein wenig Unsicherheit herrschte bei den sächsischen Betrieben. Der Grund sind die erhöhten Pestizidwerte im Wein bei zwei Erzeugern von der Elbe. Die Gründe hier liegen auf der Hand, sparen am falschen Fleck. Einige Traubenerzeuger verwendeten Spritzmittel die für den Obstanbau verwendet werden und für Trauben nicht geeignet sind. Zudem sollen diese Mittel aus deutschen Nachbarländern stammen, wo man ja noch mal sparen kann.
 
Nun zur eigentlichen Präsentation in der ich mich ausschließlich mit den Saale-Unstrut-Weinen beschäftigt habe. Zunächst meine globale Wertung: Einer der besten Jahrgänge der letzten zwanzig Jahre, vergleichbar, wenn so etwas überhaupt geht, mit den Rekordjahren von 2005/2006. In der Breite eine geschlossenes Bild mit geringeren Ausfällen als in den letzten fünf Jahrgängen. Dennoch gab es welche. Der eine oder andere Wein machte mich schon unsicher, ob er denn tatsächlich aus 2015 stammte. Zu weit waren einige von der Spitze der Region weg, dass man es kaum glauben konnte. Die die immer überzeugen, überzeugten mich auch in diesem Jahr, dazu rückten einige näher an die „Großen Acht – G8“ heran. Die „G8“ sind nach meiner Feststellung an diesem Tag und die Erzeuger, deren Weine ich außerhalb dieser Probe bereits probiert habe:
Weingut Born, Weingut Klaus Böhme, Weingut Böhme & Töchter, Winzerhof Gussek, Weingut Hey, Weingut Pawis, Weingut Lützkendorf, Weingut Proppe – letzterer auf der Jungweinprobe leider nicht vertreten. Noch nicht probiert habe ich in diesem Jahr die Weine der Breitengradwinzer Volker Frölich und die Weine von Christof Lindner vom Landesweingut Kloster Pforta.  
Anschluss, wenn auch mit etwas Abstand an die Qualitäten dieser Winzer halten die beiden Thüringer Erzeuger Clauß und Zahn und Hendrik Bobbe, der wieder mit viel Konstanz und nun auch experimentellen Talent, schöne Qualitäten auf die Flasche gebracht hat. Zu dieser Gruppe der Verfolger rechne ich auch das Weingut Hubertus Triebe. Stabil und mit sauberen Weinen.
Alle Weingüter danach im relativ grünen Bereich mit hin und wieder dünner Decke und zu wenig Konstanz in der Gesamtproduktion. Ein Beispiel dafür wie ich das meine ist die Winzervereinigung Freyburg: Werkstück Weimar, die vier von mir probierten Weine passabel, mit einer tollen Spitze, einem wirklich sehr guten Müller-Thurgau. Die Freyburger Weine unter der Bereichsbezeichnung Schloss Neuenburg gelistet – alles vertreten von gut über passabel bis geht gar nicht. Und wenn ich schon mal dabei bin, was uns das Weingut Herzer mit diesen vorgelegten Weinen sagen will, ist für mich, um es höflich auszudrücken, unergründlich.  Wenn dieser „Zahnarztton“  gewollt ist, fällt mir nichts mehr ein. Tut mir Leid, aber das geht so nicht. Das fällt, ob der Größe und Präsenz des Betriebes, allen auf die Füße nicht nur denen, die ohnehin große Füße haben.
 
Ein Satz noch zum  spannendsten Moment dieser Weinprobe:
Die Blauen Zweigelt von Hey und Gussek. Was hier deutlich wird ist,  wie toll und unterschiedlich das Terroir an Saale und Unstrut von zwei komplett gleichen Ansätzen durch die Winzer umgesetzt wird. Hey: dunkles norditalienisches Rot, geschmacklich eher ein Ripasso aus der Amaroneregion. Straffes Tanningerüst mit bordelaiser Charakter, das einen Wein ergibt, den eigentlich niemand in einer Blindprobe der Region, aus der er kommt, zuordnen würde.
Ganz anders Gussek, farblich eher im Burgund angesiedelt. Verschlossen und frankophil durch und durch. Mit seidigen Tannin, ebenfalls straff und endlos lang. Auch hier, nicht an Saale-Unstrut zu vermuten. Ich denke wir müssen das ausdiskutieren. Diese beiden Weine allein rechtfertigen die Aussage, dass es möglich ist, auch im „kalten“ Norden Rotwein mit Klasse zu erzeugen.

Hinweis auf mein neues Buch: Ende Juli Anfang August erscheint die Fortsetzung meines Buches über Saale-Unstrut. In diesem Buch werde ich sehr ausführlich auf die Weine des Jahrgangs 2015 eingehen und Bewertungen vornehmen. Insgesamt habe ich bisher vom 2015er Jahrgang 106 Weine unterschiedlicher Erzeuger probiert und bewertet. Zum Schluß, Ende Mai werden es über 200 Weine sein. Es ergibt sich daraus ein sehr diffrenzierter Blick auf die Saale-Unstrut-Weinlandschaft. 

Rainer Albert Huppenbauer, 15.04.2016

     
Tags: Jungweinprobe 2016
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