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Autor: Rainer Albert Huppenbauer | 09.04.2016 um 15:01 Uhr | 0 Kommentare

Jungweinprobe Weingut Thürkind am 09.04.2016

Das Weingut Thürkind lud zur Jungweinprobe und da  ich quasi hinlaufen kann, habe ich mir eine Stunde Zeit genommen und probiert. Sehr sympathisch war zunächst, dass das Salär für die Weinprobe einem Kinderheim in der Region zur Verfügung gestellt wird. Insgesamt hatte Mario Thürkind fünfzehn Weißweine und 2 Rotweine eingestellt. Zunächst die globale Wertung: Die Weine wissen zu gefallen und zielen auf einen breiten Massengeschmack. Müssen sie auch nach Meinung des Winzers, da sich Wein nicht von allein verkauft. Thürkind hat seit diesem Jahr rund sechs Hektar mehr Ertragsfläche, also insgesamt rund zwölf Hektar im Ertrag.
Zu den Weinen:  Alle Weine sind sauber gemacht, bereits sehr ausgewogen und für meinen Geschmack im Bereich der Gutsweine besser als im Prädikatsbereich. Der Müller-Thurgau aus dem Gröster Steinberg ist sensorisch mineralischer als der aus Burgwerbungen, obwohl Letzterer mehr Säure hat. Bei den beiden Müller-Thurgau stellt sich mir die Frage, ob es für den Winzer nicht handhabbarer wäre, einen Wein zu machen. Gutswein Müller-Thurgau unter Verzicht auf die Lage. Fertig, versteht jeder. Beide Müller vertragen etwas mehr Biss, sind aber im Vergleich zu den letzen Jahren deutlich aromatischer und wie auch die nachfolgenden Weine mit ordentlichem Nachhall.
Der Bacchus hat mir sehr gut gefallen, kein Wunderwein, aber dass soll ein Bacchus auch nicht leisten. Silvaner und Gutedel ebenfalls mit einem ansprechenden Niveau, wobei der Gutedel, weil schön trocken, mir noch besser gefiel. Der Sauvignon Blanc ist mir persönlich zu breit, etwas zu gemüsig, er wirkte auf mich nicht wie ein frischer Wein. Der Grund dafür könnte in seiner Balance liegen, er ist mir einfach nicht trocken genug. Ich kann mich nicht erinnern, ob ich schon jemals einen Sauvignon Blanc im sensorisch halbtrockenen  Bereich getrunken habe. Kann aber an mir liegen. Ja er hat die nötige Aromatik die man erwarten kann, aber die braucht Mineralität, sonst wird der Wein breit.
Bei den Rieslingen, Grau- und Weißburgundern  finde ich im derzeitigen Stadium die einfachen Weine deutlich besser. Die Spätlesen haben aus meiner Sicht zu wenig Alkohol, um geschmacklich vollends zu überzeugen. Die Rotweine, den Kerner und den Weißherbst habe ich nicht probiert.
 
Fazit: Mario Thürkind und Familie legen einen ordentlichen Jahrgang vor. Ich wünsche dem Winzer, der ja noch eine schöne Zeit vor sich hat, alles erdenklich Gute. Vor allem aber muss er eine Linie finden, und aus dem vorhandenen Potential der Lagen und des Kellers seine eigene Philosophie entwickeln. Die Meinungen der Kunden sind wichtig, die der Stammkunden sowieso, aber den Wein macht der Winzer, es jedem Recht zu machen geht nicht. Diese gute 2015er Kollektion macht auf mich den Eindruck, dass eben nicht genau zu erkennen ist, was die Handschrift des Winzers Mario Thürkind ausmacht. 
Tags: Weingut Thürkind
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