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Weinführer, über Sinn und Unsinn ihrer Nutzung!


Gegen Ende des Jahres erscheinen sie immer in geballter Wucht. Wein und Restaurantführer, die zum Teil weltweit (Weinadvokat, Parker, Weinwisser und wie sie alle heißen) die Weinwelt in Aufregung und Panik versetzen. Daneben gibt es noch ein sachliches Büchlein von dem britischen Weinkenner Johnson. Letzteres Buch ist mein Favorit, weil man sich ohne viel Schmalz und Würze sehr schnell einen Überblick verschaffen kann. Da geht es nicht um Punkte sondern um Konstanz. Die Jahrgänge sind gekennzeichnet und das war es.
In Italien regiert der „Gambero Rosso“, in Spanien der „Penin“. In Deutschland der Gault Millau und Eichelmann, zu denen sich seit drei Jahren auch der Vinum Weinführer gesellt hat. Auch der Feinschmecker und weitere Publikationen listen in Zusammenfassungen ihre Lieblinge auf.

Was können nun all diese, sich zum Teil widersprechenden Werke, für den Verbraucher leisten? Wenn wir in Deutschland bleiben, würde ich es wie folgt ausdrücken: Ja, diese Weinführer geben dem geneigten Weintrinker eine grobe Orientierung. Dafür sind sie gut. Kommt man als Fremder in eine Weinregion findet man schnell die Anschrift und die Kontaktdaten der aufgeführten Betriebe. Man kann dabei davon ausgehen, dass die aufgeführten Winzer schon ganz gute Weine machen und regional führend sind. Wenn ich einen der der Weinführer hervorheben sollte, würde ich mich für den „Eichelmann“ entscheiden. Die anderen beiden „Großen“ sind im Wesentlichen identisch und es kommt mir immer so vor, als wird von Jahr zu Jahr nur abgeschrieben. Ein Beispiel gefällig?
Eine wichtige Größe für einen Betrieb der Wein erzeugt ist das Verhältnis von bewirtschafteter Rebfläche und produzierten Flaschen. Bei manchen Winzern stehen da seit Jahren dieselben Zahlen, obwohl sich vieles geändert hat. Bernard Pawis (Saale-Unstrut) bewirtschaftet  nunmehr 15 Hektar Rebfläche, die angegebene Flaschenzahl von 80.000 Flaschen bezieht sich aber auf die Zeit, wo der Winzer etwas mehr als 10 Hektar bewirtschaftete. Ich kann mir, im Wissen um die Nachfrage seiner Weine nicht vorstellen, dass diese Zahl auch nur annähernd stimmt. Und da ich ein Familienmitglied habe, das für einen anderen Winzer die Zahlen an die Weinführer meldet, weiß ich, dass einfach keine Korrekturen vorgenommen werden, selbst wenn der Winzer etwas anderes meldet. Es wird abgeschrieben und dafür gibt es jetzt von mir für den Vinum Guide und den Gault Millau eine glatte 5 (FÜNF).
Da die Masse der Tester des neuen Vinum Guide früher mal beim Gault Millau schrieben und testeten, regt die nachfolgende Aussage eines Winzers mindestens zum nachdenken an: „Das ist ja alles schön und gut mit den Weinführern, aber im Grunde ist das oft nur Selbstzweck, bei dem einen Guide mehr und bei dem anderen weniger.“
Natürlich wollen die Verlage und Herausgeber damit Geld verdienen. Das soll auch so sein, aber dann kann der Kunde und Weinfreund auch verlangen, dass es wohl nicht wissenschaftlich, aber doch akribisch zu gehen sollte. Und wenn dann noch einem geschätzten Kollegen (Silvio Nitzsche) und seiner Weinbar in demselben Werk ein Preis verliehen wird für das er schreibt, wird es komisch. Nun kann man sagen: Du alter Nörgler, diese Weinbar ist auf Jahre hinweg ausgebucht und braucht keine Werbung. Kann sein, aber eben auch nicht. Denn gleich um die Ecke (in Freiberg bei Dresden) hat der Master of Wine Janek Schumann seine Weinbar und der testet und schreibt für die Konkurrenz vom Gault Millau. Ob da jemanden ein Steinchen im Schuh drückt weiß ich nicht. Was ich weiß ist, dass sich derlei nicht gehört. Aber da ich auch weiß, dass sowohl Schumann als auch Nitzsche gegen alle Arten von Wortmeldungen resistent sind, halte ich es mit den Rolling Stones die da einst sangen:

„Hey think the time is right
For a palace revolution
But where I live the game
To play is compromise solution
Well now, what can a poor boy do
Except to sing for a rock n' roll band?“


Also wenn Sie sich denn informieren wollen, empfehle ich Ihnen zwei Werke:
1. Für den groben Überblick guter Weine in der Welt den Johnson.
2. Wollen Sie sich über deutsche Produzenten informieren, dann greifen
    Sie zum Eichelmann.

Am aller besten aber ist, sie verlassen sich auf sich selbst. Und da nicht alle Weinguter im Telefonbuch stehen, ist so eine Weinführer ganz sinnvoll.
Rainer Albert Huppenbauer, 10.11.2019

 

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